Riverhopping Teil 2 von Sylvia Koch

Veröffentlicht: 17. September 2014

Kaum haben wir Immenstadt verlassen,
wieder Regentropfen herunter prasseln.
Die begleiten uns über Durach und Murnau unentwegt
bis zum nächsten Basislager am Kochelsee.

Direkt am See auf dem Campingplatz Renken
ist an einen Zeltaufbau zunächst nicht zu denken.
Petrus macht es uns wahrhaftig schwer,
denn es regnet und regnet - mal weniger, mal mehr.

Doch irgendwann ist es doch soweit,
das Tipi steht endlich bereit.
Jetzt hört es tatsächlich auch zu regnen auf,
und die Sonne lugt mal kurz aus dem tristen Grau.

Während wir am nächsten Tag in Wallgau auf die Rückkehrer warten,
wird uns von einem Einheimischen abgeraten von hier zu starten:
"Solltet ihr das trotzdem wagen
müsst ihr treideln oder tragen,
denn da vorne gibt's zum Paddeln kein Wasser mehr."
Unsicher geworden überlegen wir hin und her
und sind uns einig, trotz alledem
wollen wir die Tour in Angriff nehmen.

Kaum hat uns die schwache Strömumg aufgenommen
sind wir schon nicht mehr weiter gekommen.
Also nehmen wir die Boote an die Leine
und vertreten uns erst einmal die Beine.

Es rauscht, es rinnt, es rieselt unter uns,
aber meistens nur knapp über dem Grund.
Einige Meter Paddeln gönnt uns die Isar auch
bis zum Umtragen um einem Baumverhau.

Das Vorhandensein von Kehrwassern ist einfach Klasse
zum Vermeiden des Strandens in einer hölzernen Sackgasse.
Ein Schlauchboot hatte kein Glück mit dem mächtigen Baumverhau
und dekoriert nun die kahlen Äste mit seinem Königsblau.

Vor einer scharfen Linkskurve machen wir Rast,
danach heißt es "Aufgepasst!"
Bäume türmen sich in der Außenkurve auf.
Günter hat ein Auge d'rauf
und lotst alle sicher daran vorbei.
Die Isar fordert weiterhin viel Aufmerksamkeit.

Ab Schröfeln bringt uns die Strömung flott voran.
Enge Kurven und Baumleichen am Uferstrand
erfordern volle Konzentration.
Lässt die nach, passiert es schon,
dass sich das Boot seinen Weg selber sucht,
für heute hat man dann schon geduscht.

So greifen im Wasser liegende Äste nach Michaels Canadierheck
und ziehen ihm das Boot unter dem Hintern weg.
An einer Brücke wird mir die Durchfahrt verwehrt,
weil ein langer, kahler Ast diese fast versperrt.

Schon häng ich dran an der hölzernen Strippe,
unter mir macht das Boot schnell die Kippe.
Jetzt schnell loslassen
und den Canadier fassen,
sofort zieht mich die Strömung mit
die Isar hinunter ein ganzes Stück.

Mit Hilfe erreiche ich das Ufer unversehrt,
hier wird das Boot vollständig geleert.
Bis zum Ende der heutigen Tour
in Vorderriß ist es g'rad'mal ca. 1km nur.

Am Kochelsee erwartet uns schon Christian
und bietet Kaffee und leckeren Kuchen an.

Nochmals fast nur im Wasser zu wandern sehen wir nicht ein
und setzen heute die Boote erst in Schröfeln ein.
Türkis glitzert die Isar in der Sonne.
Sofort paddeln zu können - welch eine Wonne!

Die beiden Packsäcke auf einer insel, die wir gestern schon sahen,
scheinen noch immer keinen Besitzer gefunden zu haben.
Beunruhigt schauen Günter und Henning nach
und finden nasse Kleidung in einem Sack.
Sicherheitshalber informiert Christian die Polizei,
die erklärt sich sofort zu Nachforschungen bereit.

Heute steigt keiner ungewollt aus,
den ragenden Ästen weichen wir dieses Mal aus.

Hinter Vorderriß zeigt sich die Flußlandschaft der Isar
immer noch ursprünglich und wunderbar.
Ab hier bildet sie noch mehr Rinnen
und steile, schroffe Felswände sie in Kurven zwingen.

Kurz vor der Geschiebesperre weichen die Wände erst wieder zurück.
Dort begrenzt den Weg der Isar eine Mauer in einem endlos erscheinenden Stück.
Tosend sich darunter das Wasser durch eine Öffnung zwängt
und wuchtig über Felsbrocken zum Sylvensteinsee drängt.

Hier ist heute für uns Schluss,
und zu unserem Verdruss
sagt auch die Sonne nun "Ade!"
auf dem Weg zum Kochelsee.

Kaum biegen wir auf den Campingplatz ein,
bricht ein heftiger Wolkenbruch über uns herein.
Jezt kann uns keiner mehr unter dem Tarp hervor locken,
hier sitzen wir gut, und der Grill samt Auflage bleibt auch trocken.

> Fortsetzung folgt

  • Noch reicht das Wasser
  • Wasserwandern wörtlich genommen
  • Nichts geht mehr!
  • Rast vor der nächsten herausforderung
  • Knapp vorbei!
  • Elegante Kurvenfahrt
  • Ein schattiges Plätzchen
  • Am Rißbachdücker
  • Hinter Vorderriß
  • Ursprüngliche Flusslandschaft
  • Auf der Geschiebesperre
  • Schäumend auf dem Weg zum Sylvensteinsee

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