Riverhopping Teil 4 von Sylvia Koch

Veröffentlicht: 25. September 2014

Mit Tempo rauscht die Isar an Einöd vorbei,
hier machen wir uns zur Abfahrt bereit.
Aber bereits etw eine halbe Stunde später
- ca. gefahrene fünf Kilometer -
ist es für einige Zeit mit der Paddelei
in einer scharfen Linkskurve schon vorbei.

Dort lauert ein Baumverhau Paddler auf,
und Michael sitzt fast d'rauf.
Seine Selbstrettung von dem Ungetüm gelingt,
doch der rettende Wurfsack bringt
in der starken Strömung nicht das gewünschte Resultat,
da der Sicherungsring der Weste schlapp gemacht hat.

Der Canadier ist vorher schon weiter geschwommen
und vor dem nächsten Stamm im Wasser zum Halten gekommen.
Auch Michael erringt wieder festen Stand
und rettet sich nahe des Bootes an Land.
Seine Versuche, sich zum Boot zu bewegen
verhindert die Strömung, die ist dagegen.

Erich sah Michaels Kenterung und wollte ihm zu Hilfe eil'n,
schwenkte aber aus dem Kehrwasser zu früh in die Strömung rein.
Er kam dermaßen in den Sog,
dass der ihn in den Baumverhau zog.

Dort sitzt er nun auf seinem Boot,
und wir geraten etwas in Not,
denn keiner kommt an ihn heran.
Erich strengt sich mächtig an
und klettert rufend über das Baumgestrüpp heraus:
"Ich geh'  nach Moosbach, ihr könnt mich abholen am Gemeindehaus."

Inzwischen ist auch die Rettungswacht vor Ort,
Badegäste informierten die sofort.
Erst kreist der Hubschrauber über uns hin und her,
doch den brauchen wir nicht mehr.

Die ersten Versuche der Rettungswacht,
Michaels Boot zu bergen, haben nichts gebracht.
Sie meinen auch, Erichs Boot zu bergen habe keinen Sinn,
in der Isar sei noch viel zu viel Wasser drin.

Der Chef der Geretsrieder Feuerwehr
rät uns aufgrund der Wetterlage sehr,
wer nicht hierbleiben müsse, solle unbedingt weiter fahr'n.
Nach einigem Zögern tun wir das, aber nicht mehr bis Schäftlarn.

Wir schaffen es in ca. einer halben Stunde bis Wolfratshausen
die Isar an weiteren Baumleichen vorbei herunter zu sausen.
Ein Taxi bringt uns zu dem abgestellten Auto in Schäftlarn,
dort treffen wir Erich auf der Brücke vor dem Parkplatz an.

Froh ihn zu sehen, hören wir erstaunt seinen Kurzbericht:
Ein Wanderer meinte auf seine Frage nach Moosbach? "Moosbach gibt es hier nicht."
Aus dem nahe gelegenem Ort habe ihn jemand nach Einöd mitgenommen,
und so sei er wieder zu seinem Auto gekommen.

Gemeinsam schlagen wir die Richtung nach Wolfratshausen ein,
dort wartet Henning nicht mehr allein.
Günter und Michael sind dort ebenfalls eingetroffen
- samt Michaels Canadier, der ist nicht abgesoffen.

Jetzt woll'n wir nur noch so schnell es geht zurück zu unseren Zelten fahr'n,
doch dagegen sind die Verkehrsbedingungen dank der gesperrten Autobahn.
Dem Kochelsee kommen wir keineswegs näher,
im Gegenteil, es werden mehr und mehr Kilometer.
Irgendwann weiß kener mehr, wie es eigentlich weiter geht,
aber schließlich sind wir endlich auf dem richtigen Weg.

Am Abend offenbart sich noch,
Moosbach gibt es doch!
Allerdings heißt so der Bach zur Isar hin,
und der nahe Ort heißt Ascholding.

Jeder noch an den Canadier denkt,
der einsam in der Isar hängt.
Deshalb machen wir uns auf nach Ascholding
und wandern auf Erichs Spuren zur Kenterstelle hin.
Ein Fünkchen Hoffnung haben wir noch,
vielleicht gelingt uns die Bergung doch.

Dort angekommen, trauen wir unseren Augen kaum,
das Boot hängt nicht mehr im Baum,
nur ein gelber Sack schaukelt zwischen den Ästen auf und nieder.
So holt sich Erich zumindest einenAuftriebskörper wieder,
den er, natürlich gut gesichert, aus dem widerspenstigen Verhau befreit,
vier starke Männer stehen dafür am Seil bereit.

Was ist mit dem Boot passiert?
Daran sind wir äußerst interessiert.
In Wolfratshausen hoffen Günter und Henning etwas zu erfahren,
in dem sie dort Paddler nach dem Boot befragen.

Michael setzt Erich in Einöd ab,
der will noch einmal den Fluss hinab.
Ab der Geretsrieder Brücke wird es aber aufgrund der Isarsperrung nicht weitergeh'n,
so kann Erich erst ab Wolfratshausen paddelnd nach seinem Canadier seh'n.

Übrigens weist in Einöd nichts auf die Sperrung hin,
das kam den Behörden wohl nicht in den Sinn.
Erich hatte dort trotzdem Glück,
denn der Schlauchbootverleiher hielt ihn vom Start zurück.

Während die Männer durch die Gegend eilen,
kann ich am Kochelsee verweilen.
Ein wenig neugierig werde ich allmählich schon
und drücke Michaels Nummer im Telefon.

Allerdings habe ich mich vertan,
und eine fremde Stimme ist dran.
Würde ich etwas vermissen,
will diese von mir wissen.
Im ersten Moment meine ich nur "Nein",
doch sofort fällt mir Erichs Boot noch ein.

Ich höre erstaunt, wir bräuchten uns nicht mehr zu sorgen,
er habe es gestern Abend mühsam aus der  Isar geborgen,
und es läge in Geretsried zum Abholen bereit.
Keine Frage - natürlich haben wir dafür morgen Zeit!

Am nächsten Tag erliegen wir fast dem Einkaufsrausch
in Münchens bekanntesten Outdoorhaus,
um einige verlorene Sachen zu besorgen,
denn nicht alles wurde aus der Isar gebogen.

Nach dem verregneten München in Geretsried angekommen,
haben wir glücklich Erichs Boot in Empfang genommen.
Emanuel, die fremde Stimme an meinem Telefon,
berichtet uns von der Bootsrettungsaktion.

Wie so vielen anderen noch an jenem Tag
habe auch er mit seinen Freunden das Pech gehabt
mit dem Schlauchboot in den Baumverhau zu rauschen,
und das Boot verhinderte, dem Gluckern auf dem Grund zu lauschen.

Als Dank für ihr Überleben,
begannen sie, das Boot aus der Isar zu heben.
Unser aller Dank gilt Emanuel und seiner Crew,
denn zu der Aktion gehörte schon eine Portion Mut dazu.

So ist doch noch alles zu einem guten Ende gekommen,
aber vom weiteren Paddeln haben wir Anstand genommen.
Die Isarsperrung bleibt noch einige Tage bestehen,
und Erich will nach Haus, um gründlich sein Boot nachzusehen.


  • Start in Einöd
  • Bis hierhin und nicht weiter!
  • Anziehender Baumverhau
  • Sicherung hat Vorrang
  • Gut Festhalten!
  • Akrobatisch über die Bäume
  • Luftsack fast griffbereit
  • Es ist wieder da!

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