MOLDAU 2015 - DIE ZEHNTE von Sylvia Koch

Veröffentlicht: 12. Juni 2015

Wer hätte gedacht, dass sich die Moldau nach wie vor so großer Beliebtheit erfreut, als diese Frühlings-Ausfahrt das erste Mal im Programm stand? Dass sich der Name in "Becherovka-Ausfahrt" änderte, geschah im glückseeligen Zustand der Aufnahme dieses tschechischen Kräutertrunks, und manch einer suchte danach vergebens nach einem Fluss dieses Namens. Dieses Mal jährte sie sich nun schon zehnten Mal, und wir haben - mal abgesehen von der Paddelei - bis auf Hagel und Schnee einige Wetterkapriolen erlebt wie z.B. plötzliches extremes Hochwasser mit weiträumigen Überschwemmungen oder hochsommerliche Temperaturen.

Dobrí den, Vltava!
Als Michael und ich einige Tage vor dem Anreisetag in Zlatá Koruna ankommen, trauen wir unseren Augen kaum. Die Moldau ist noch flacher als im letzten Jahr. Ihr Wasser rieselt nur noch über die Wehrkante und die Bootsgasse zeigt stolz ihre Steinkante vor dem Wellenschlag am Auslauf. Infolge des Regens in den nächsten Tagen steigt zwar der Wasserspiegel etwas an, sinkt aber genauso schnell wieder auf das vorherige Niveau, wenn die Nässe von oben ausbleibt.

Klobáza-Etappe
Am Morgen unserer ersten Paddeltour weckt uns mal wieder das allzu bekannte Tröpfeln - mit einem positiven Resultat, denn die Moldau ist etwas angeschwollen. Wir warten erst einmal ab, da wir uns für die kurze, von Michael getaufte "Bratwurst (Klobáza)-Etappe" entschieden haben. Vielleicht meint es Petrus ja bald besser mit uns. Und tatsächlich, der Himmel wird immer heller, auch wenn sich einige Wolken noch standhaft weigern, zu verschwinden.

Als diese endlich nichts Feuchtes mehr entlassen, setzen wir bald darauf unterhalb der Brauerei Eggenberg in Ceský Krumlov die Boote  in die braun aufgewühlte, vorbei rauschende die  Moldau ein. Die Steine des zerfallenen Wehrs unterhalb der Holzbrücke sind auf Tauchstation gegangen, und die kurz dahinter mündende Polecnice rauscht wieder schwungvoll über ihr felsiges Bett in die Moldau.

Flott bringt uns der Fluss voran und geleitet uns wellenreich schon bald zur ersten Rast am rechtsufrigen Campingplatz "U Milana". Nach der Befriedigung der Klobáza-Gelüste überlassen wir uns wieder der Strömung der Moldau, die uns schwungvoll bis zum noch in friedvoller Ruhe verharrenden Lagerplatz "U Martina" am linken Ufer bringt. Lange verweilen wir hier nicht und legen bald wieder ab.

Einige Kilometer weiter zeigt sich die "Hacienda" am linken Ufer, an dem mehrere Schilder verkünden, ein Anlegen sei hier nicht erwünscht. Auch gut, so können wir den Schwung des kurvigen Schwalls wenigsten voll nutzen! Noch ein paar Kurven, die Brücke von Rájov kommt in Sicht und Zlatá Koruna liegt vor uns.

Der Wasserstand ist gut, also überwinden das Wehr wir natürlich in der Bootsgasse. Wie immer steuere ich das linke Kehrwasser am Auslauf an und bekomme einen heftigen Schlag versetzt. "Sch... Stein!" denk ich nur, kann zwar gerade noch einen Waschgang in der Moldau verhindern und sitze trotzdem im Nassen. Die Welle hat ganze Arbeit geleistet, aber glücklicherweise sind es nur noch wenige Meter bis zum Campingplatz.

Fladenbrot-Etappe von Zlatá Koruna bis Borsov
Sonnenschein! Wärme! Sprunghafter Anstieg der trotz feuchten Tage noch vorhandenen guten Laune, die sich nun aber deutlich verbessert. Ein Resultat: Fast Alle sind etwa eine Stunde vor der verabredeten Zeit fertig und stehen mehr oder weniger dumm herum - bis Franz die erlösenden Worte spricht: "Warum setzen wir denn nicht jetzt schon die Autos um?". Sofort packt uns rege Betriebsamkeit, die Autokolonne setzt sich in Bewegung, die Boote werden zum Ufer getragen und eine halbe Stunde nach Rückkehr der Autofahrer trägt uns die wieder abgenommene Moldau Richtung Borsov.

Gerade recht für ein zweites Frühstück landen wir bei Mílan am rechtsufrigen Platz "Placky" an. Der Ofen raucht schon und Mílan, der uns fröhlich empfängt, macht sich sofort an die Arbeit, denn die Fladenbrote wollen gebacken werden. Als Renner erweist sich das Knoblauch-Fladenbrot, aber auch die süße Variante mit Pflaumenmus ist nicht zu verachten. Dermaßen gestärkt klettern wir wieder in unsere Boote, einige unterhalb des kleinen Schwalls, andere oberhalb, um den Schwung mitzunehmen.

Jetzt lebt die Moldau richtig auf. Stromschnellen, Kurven und mancher gerade noch sichtbare Stein bieten Spaß und Abwechslung, wozu auch die felsige Uferlandschaft beiträgt. Konzentration ist nach wie vor gefragt, obwohl der Fluss zu unserem Bedauern  immer mehr von ihren charakteristischen Felssteinen "gereinigt" worden ist. Kurve um Kurve gleiten wir problemlos mit der Strömung dahin. Als von oben die Ruinen der einstigen Burg Dívcí Kámen grüßen, ist unsere übliche Raststätte am gleichnamigen Lagerplatz erreicht. Hunger hat zwar keiner mehr, aber die Entspannung im strahlenden Sonnenschein wird ausgiebig genossen.

Die Hälfte unserer heutigen Etappe liegt hinter uns, und auf dem letzten Kilometer der zweiten Hälfte haben wir noch zwei Wehre zu bewältigen. Bis dahin tanzen wir über bzw. durch die rauschende, wellenreiche Moldau, in der ab und zu ein Stein um Kontaskt bittet und manchmal auch erfüllt wird.

Schließlich glättet sich die Wasseroberfläche. Stille umgibt uns, bis ein sich zum Rauschen steigerndes Plätschern das erste Wehr ankündigt. "U Rybu", zerfallen, gut fahrbar, liegt vor uns. Rasant rutschen wir durch den Schwall, der allerdings auch schon höhere Wellen am Auslauf zu bieten hatte. Die nächsten 500 m bestimmt bereits das folgende Wehr, dessen Rückstau fast sofort spürbar ist. Dann heißt es nur noch Austeigen, Umtragen, Einsteigen, ein bißchen Paddeln, und am Ziel in Borsov wieder Aussteigen. Gern würden wir schon am letzten Wehr unsere Tour beenden, aber der etwa 500 m lange Bootstransport zum Parkplatz hält uns doch davon ab. Da umtragen wir das Bollwerk und paddeln doch lieber!

Traditioneller Paddel-Ruhetag in Ceský Krumlov
Bei unserem kleinen Altstadtrundgang zeigt sich ein trauriges Bild am Wehr unterhalb des Schlosses. Wo ist das Wasser geblieben? Über die Wehrkante tröpfelt es nur noch spärlich, und die Bürsten der Bootsgasse zeigen sich stolz und trocken der staunenden Bevölkerung. Hier werden wir keinesfalls paddeln!

Es grüßen die Steine am Grunde der Moldau: Von Vyssý Brod bis zum "U Fíka" bei Branná
Zeigt sich die Moldau nach dem Wehr in Vyssý Brod noch etwas lebendig, wird sie bald danach immer ruhiger. Bis Herbertov stochern wir mehr oder zwischen den Steinen herum und haben deshalb auch kein allzu großes Vertrauen, über die kurz zuvor eingehängte Holzgleite am Wehr hinunter zu rutschen. Michael und ich klettern demzufolge über die hohe Kaimauer aus den Booten und hieven diese hinauf.

Wolfgang mit seinem Schlauchcanadier wagt die Befahrung - ohne Grundberührung am Auslauf. Auch die folgenden Tandems überwinden das Wehr problemlos auf diese Weise. Um nicht von oben wieder in die Boote springen zu müssen, verzichten wir schweren Herzens auf die Befahrung und setzen im Unterwasser wieder ein. Auch hier sind inzwischen einige Steine (an denen so manches Schlauchboot hängen blieb) im Flusslauf entfernt worden, so dass nach dem Ablegen eine Seilfähre zum gegenüber liegendem Ufer nicht mehr zwingend erforderlich ist. Bis zur Wiedervereinigung der beiden Flussarme strömt die Moldau spritzig hinab, um anschließend wieder in ihre Bequemlichkeit zurück zu fallen.

Hochbetrieb an unserem üblichen Rastplatz "U Tri Veverek" lässt uns heute daran vorbei paddeln bzw. zwischen den Steinen herum zu lavieren. Als die ersten Häuser Rozmberk ankündigen, landen wir kurz danach zur wohlverdienten Mittagspause am Restaurant "U Martina" an, um endlich unsere verbrauchte Energie wieder aufzufüllen. Die brauchen wir anschließend auch, um dem Rechtsdruck am Auslauf der folgenden Bootsgasse Paroli zu bieten. Diese wird - mal abgesehen von ein paar kleinen Unsäglichkeiten wie z.B. den Fast-Salto Herberts über Ela - passabel bewältigt.

Wieder verfällt die von der Burg Rozmberk bewachte Moldau in ihre Lethargie, strömt etwas lebendiger am Campingplatz vorbei und fließt dahnach wieder gemächlich dahin. So führt sie uns in ihrem flachen Flussbett durch die heute fast nicht enden wollende einsame Waldlandschaft bis zum Campingplatz "U Fíka". Das Ziel unserer von Kälte geprägten Tages-Etappe haben wir endlich erreicht. Auf die windigen Grüße auf den letzten Kilometern hätten wir dabei auch gern verzichtet.

Auf dem Rückweg nach Zlatá Koruna zeigt sich, dass sich die Campingplätze am Fluss, besonders in Ceský Krumlov, allmählich füllen.

Das Fladenbrot lockt mal wieder
Um dem morgigen Trubel der heute im Laufe des Nachmittags hier ankommenden diviersen Gruppen auf der schönsten Strecke von Zlatá Koruna bis Borsov zu entgehen, paddeln wir heute noch einmal dieses Etappe. Zudem sichern wir uns damit auch eine gute, schlauchbootfreie Anlandung bei Mílan. Wir haben es richtig gemacht, denn als wir von Borsov zurück kommen, reiht sich schon Zelt an Zelt auf dem Campingplatz aneinander.

Noch einmal zum Klobáza-Platz
Zusehends ist die Moldau wieder flacher geworden - die Kehrseite des sonnigen Wetters und fehlendem Regens. Um einen allzu anziehenden Kontakt mit den Steinen unterhalb der Brauerei Eggenberg zu vermeiden, setzen wir heute etwas weiter unterhalb am Campingplatz "U Trojice" ein. Zielsicher wird abermals am "U Milana" angelegt, und die meisten Herren machen sich ein letztes Mal über die beste aller Klobázas her.

Vor dem Wehr von Zlatá Koruna gibt es einen kleinen Partnertausch. Während Michael zu Herbert ins Tandem wechselt, übernimmt Ela Michaels Solo. Ela und ich suchen uns ein - leider nur - fast windstilles, strömungsfreies Plätzchen auf dem Wasser, um zum Abschluß noch ein bißchen zu kringeln, bevor wir zum Campingplatz weiter paddeln.

Na schledanou, Vltava!
Eine Woche geht wie immer viel zu schnell vorbei. Etwas wehmütig packen wir unsere Siebensachen, aber Michael und ich kommen schon im September wieder.

Autor

Ausfahrt

  • Sonnengenuss unterhalb der Burgruine Divci Kamen
  • Klobaza-Genuss am Lagerplatz "U Milana"
  • Anstehen für den Fladenbrot-Genuss am Rastplatz "Placky"
  • Mílan, der Fladenbrot-Bäcker in Aktion

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