Grund- und Aufbaukurs 2er Canadier

Veröffentlicht: 31. Dezember 1994

Damit alle Familienmitglieder und auch der Hund das Canadierfahren
geniessen können, beschlossen wir einen 2er Canadier anzuschaffen.
Welches Modell es sein sollte, konnte aufgrund der unterschiedlichen
Ratschläge nicht geklärt werden. Als Laien mit verschiedenen Canadiern
probepaddeln, davon erwarteten wir uns auch keine Aufklärung. Nur eines
war klar, um Spass zu haben, erschien es sinnvoll, die Sache von Grund
auf zu erlernen.

Ein Anruf bei Georg, der uns empfohlen wurde, erledigte mehrere
Probleme. Er hatte die benötigten 3 Kursplätze zu einem Termin frei, zu
dem es uns auch möglich war teilzunehmen. Ausserdem konnten wir bei ihm
ein Boot leihen, und im Zuge des Kurses bestand auch die Möglichkeit
andere Boote vergleichsweise probezupaddeln.

Anfang August war es dann soweit. Früh morgens um 6 Uhr brachen wir auf
an die Jagst. Alle waren gespannt, was uns erwartet. Eines war zumindest
im voraus klar: das Wetter wird sonnig und heiss. Als wir am Zeltplatz
ankamen hatte Georg schon sein Tarp errichtet, unter dem wir fortan
unsere Theorieeinheiten absolvierten. Natürlich diente es auch als
Schutz während unserer Pausen, die wir dringend benötigten, um uns zu
stärken und zu plaudern.

Nach der einführenden Theorie ging es aufs Wasser. Wir erfuhren, was am
"einfachen" Grundschlag alles falsch gemacht werden kann. Aber im Laufe
des Übens wurde klar, wozu ein effizienter Grundschlag dienlich ist.
Möglichst viel Vorwärtsbewegung, bei möglichst wenig Krafteinsatz.
Effizienz hatte beim ganzen Kurs hohe Priorität. An diesem Wochenende
lernten wir, wie man mit 4 Schlägen den Canadier dorthin steuert, wohin
man fahren will. Vorwärts- und Rückwärtsschlag, Ziehschlag und Hebel.
Unterbrochen wurden die kräftezehrenden praktischen Übungen, die nie
langweilig waren, durch entspannende Aufenthalte unter dem Tarp.

Ein Höhepunkt des Wochenendes war die Fahrt mit dem Canadier zum
Abendessen in das ca. 2 km flussabwärts liegenden Dorf. Schon nach dem
ersten Tag waren wir in der Lage auf leicht fliessendem Wasser den
Canadier zu steuern. Die Kinder durften auch im Boot mitfahren. Das
gutmütige Fahrverhalten des geliehenen Canadiers überzeugte uns, und wir
beschlossen dasselbe Modell zu kaufen.



Wieder zu Hause, nach einem wunderbaren Wochenende, kamen wir zu der
Überzeugung, dass nur Übung den Meister macht. Nach erfolgtem Bootskauf,
wurde hin und wieder geübt, und wir beschlossen, bei Georg den
Aufbaukurs zu besuchen.

Der Termin klappte, und Mitte September ging es erneut an die Jagst.
Diesmal stand eine kurze Wiederholung der Themen des Grundkurses, sowie
stationäre Ziehschläge (auch im Übergriff) auf dem Programm. Auf diesem
Flussabschnitt hat die Jagst mehr Strömung, und so lag das Hauptgewicht
des Kurses auf Fahrmanövern und Wasserkunde. Kehrwasserfahren, das A und
O des Canadierfahrens stand ebenso auf dem Programm, wie Seilfähren und
das Stützen. Da Georg immer wieder mit den einzelnen Kursteilnehmern in
wechselnden Positionen (Bug oder Heck) diese Manöver übte, erfuhren
wir, wie sie richtig zu fahren sind. Jetzt bleibt nur noch mit dem
jeweiligen Partner gemeinsam das Erlernte zu üben und zu festigen.

Welchen Fortschritt wir in nur 4 Tagen gemacht haben, wurde jedem vor Augen geführt.



An diesem Wochenende waren viele Anfänger mit 2er Canadiern unterwegs.
So wie sie auf der Jagst fuhren, wäre es uns vor nicht allzulanger Zeit
auch ergangen. Jetzt ist man verleitet, sich über sie lustig zu machen.
Eigentlich sollten sie einem aber leid tun, denn viele von Ihnen
erfahren zwar einen Adrenalinausstoss, wenn sie über eine Welle fahren,
die Schönheit des Canadierfahrens, und den Spass, den wir bei unserem
Kurs hatten werden sie so aber nie erfahren.

von Richard Friedrich

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