Eine Woche Loire 1997

Veröffentlicht: 31. Dezember 1997

03.10.97
Ich habe Geburtstag. Mein Geschenk an mich selbst, wie jedes Jahr, eine Woche Urlaub nur für mich. Diesmal soll es eine Paddeltour auf der Loire sein. Mit von der Partie: Georg Petz. Gegen 14.30 komme ich in Wetter (das bei Marburg, nicht an der Ruhr) los und schaffe trotz viel Verkehrs auf der A3 die 330 km nach Schwieberdingen bis 18.00.

04.10.97
Wir frühstücken reichlich, um 9.00 liegt Georgs Boot neben meinem auf dem Auto und wir fahren los zur geplanten Einsatzstelle: Pouilly sur Charlieu. An einer Autobahnraststätte kaufen wir die Michelinkarten Nr. 69 und 73. Trotz des Maßstabs 1/200.000 sind die sehr genauen Karten zur Orientierung auch auf dem Fluß ausreichend. Der Campingplatz in Pouilly ist schon geschlossen, doch eine nette Frau (uns beiden blieb vor allem ihr knackiges Höschen in Erinnerung) schickt uns trotz der Sprachschwierigkeiten zu einem schönen kleinen Camping in Iguerande, etwa 9 km stromab, wie oft in Frankreich neben den örtlichen Sportanlagen, sogar mit warmen Duschen. Die Nacht ist recht feucht und kühl.

05.10.97
Wenige hundert Meter vom Camping finden wir nach der Brücke eine günstige Einsatzstelle, das Auto kann auf einem Parkplatz mitten im Ort abgestellt werden und gegen Mittag paddeln wir los. Vor 11.00 kommen wir eigentlich nie los, dafür frühstücken wir zu ausgiebig und es dauert auch einige Zeit, bis die Morgensonne die Zelte einigermaßen abtrocknet. Wir sind beide angetan von dem naturbelassenen Fluß, viele schöne Uferabschnitte mit tollen Kies- und Sandbänken, keine Verbauungen oder Regulierungen, genügend Strömung, um sich auch mal nur treiben zu lassen. In Baugy trinken wir ein Bier, kaufen eine Flasche Wein und 5km später schlagen wir in einer einsamen Flußschleife auf einer Kiesbank die Zelte auf. Ein kleiner Abend-Erkundungspaziergang zeigt uns, nur dreihundert Meter weiter hätten wir feinsten Sandstrand gefunden. Die Nacht wird trockener und wärmer, aber die (aus der Faulheit geborene) Idee, die Zelte ohne Überzelte aufzubauen ist trotzdem ein Flop, die Schlafsäcke werden klamm.

06.10.97
Beim Zeltabbau kommt ein Polizist vorbei, erkundigt sich freundlich (aber leider auf französisch) , ob wir Vögel beobachten wollen. Kurz danach fällt mein Kerzenlämpchen im Zelt hin und das Glas springt in tausend Stücke. Das ist der Anfang einer Reihe von Widrigkeiten an diesem Tag. Der erst klare Himmel trübt sich ein und kräftiger Wind kommt auf, zum Glück von hinten. Georg baut ein kleines Segel und mit aneinander gekoppelten Booten kommen wir zügig voran. Es beginnt zu regnen. In Digoin müssen wir unter der Kanalbrücke treideln, gut ein Kilometer danach ist rechts der Camping. Der Regen macht Pause, wir können die Zelte trocken aufbauen, spannen aber vorsichtshalber das Tarp. Gut getan, denn der Regen geht weiter. An der Rezeption holen wir zwei Flaschen Wein fürs Abendessen, bei der Rückkehr ist mein Zelt innen naß, ich hatte die Folie nicht richtig untergeschlagen. Der Schlafsack hat zum Glück nichts abgekriegt, er lag auf der Thermarestmatte. Ich ziehe die komplette Folie unter dem Zelt weg, so daß das Wasser abfließen kann, aber unangenehm feucht ist es doch noch. Als später in der Nacht beim Pinkeln noch das Birnchen meiner Taschenlampe durchbrennt und ich im Dunkeln über einen Hering stolpere, da reicht es für den Tag.

07.10.97
Der Dienstag fängt besser an. Hatten wir abends zuvor den Eindruck, es regnet sich so richtig ein, überrascht der Himmel uns mit Sonne und Wärme. Meine nassen Sachen trocknen schnell und nach heißer Dusche und ausgiebigem Frühstück (Georg macht Pfannkuchen, obwohl nur mit Wasser, Mehl und Milchpulver, schmecken sie gut) war die Welt wieder in Ordnung. Wir beschließen, den Tag in Digoin zu verbringen. Ein schöner Stadtbummel endet mit Einkauf und dem Entschluß, nicht in ein Restaurant zu gehen, sondern die gekauften Leckereien am Zelt zuzubereiten. Mit dem Boot holen wir vom gegenüberliegenden Ufer Brennholz für Georgs Ofen, der mich immer mehr überzeugt, das Gerät ist einfach und funktioniert. Da wir uns nicht einigen können, ob wir die Bratkartoffeln aus rohen oder gekochten Kartoffeln machen sollen, da tun wir einfach beides. Bei allen Gemeinsamkeiten, die Georg und ich in den letzten Tagen festgestellt haben, bei den Bratkartoffeln werden wir wohl nicht einig, ich mag die rohen, er die gekochten. Das Essen ist herrlich, nur der Kirschschnaps erweist sich als ungenießbarer Reinfall. Der Abend ist mild und lang und (Wein)feucht, gegen 01,30 schlafe ich am Feuer ein.

08.10.97
Nach dem Frühstück kaufe ich noch etwas ein, dann geht’s wieder auf den Bach, es ist schon wieder 13.30. Der Wein gestern war nicht nur lecker, sondern auch bekömmlich, jedenfalls hält sich der Überdruck in meinen Kopf sehr in Grenzen. Das Wetter ist schön, teilweise paddeln wir ohne T-Shirt. Gegen mittag frischt der Wind auf, heute von vorn und wir kommen deutlich langsamer vorwärts. Nach höchstens 15 km schlagen wir ein Lager auf. Abends läßt der Wind nach und wir überlegen, ob man nicht früher am Tag loskommen und dafür eine ausgiebige Mittagsrast einlegen sollte. Wir genießen den milden Abend und den Wein und es ist weit nach Mitternacht, als wir in den Schlafsack kriechen.

09.10.97 nach oben
Natürlich wird es wieder 11.00 bis wir im Boot sitzen (Georg hat wieder Pfannkuchen gebacken, mit zwei Eiern schmecken sie wirklich noch besser) und natürlich ist der Wind auch schon wach. Georg wird plötzlich ungemein schnell und ich frage mich, warum diese Ackerei. Bis mir schließlich klar wird, daß er die Fahrt braucht, um nicht einfach ans Ufer gepustet zu werden. Mein Prospector hat zwar nur einen Minikiel, aber bei dem Wind hilft er deutlich. Unter der Eisenbahnbrcke von Gilly bläst es so kräftig, daß auch ich Probleme habe, die S-förmige Fahrrinne einzuhalten. Ein Kilometer weiter in Diou ist der Camping schon geschlossen und wir entschließen uns, bis St. Aubin zu fahren. Vorher kommt noch ein verfallenes Wehr über drei kleine Felsstufen. Als ich die enge, gewundene Durchfahrt mit der kräftigen Schrägströmung und den scharfkantigen Steinen sehe, will ich lieber umtragen. Georg will es versuchen, kommt gut durch und fährt mein Boot auch gleich hinunter, genau so präzise. Bei St. Aubin legen wir an, ein guter Zeltplatz findet sich direkt am Ortsrand, 100 m entfernt sogar blitzsaubere öffentliche Toiletten. Nach einer Dorfbesichtigung gehen wir im einzigen Lokal etwas essen, nicht doll, aber billig. Wir nehmen noch zwei Flaschen Wein mit und beschließen den Abend am Feuer.

10.10.97
Nach einer ruhigen und milden Nacht frühstücken wir gut mit frischem Baguette, aber unter einem schnell gespannten Regenschutz. Anschließend gehe ich zum Lokal und bestelle ein Taxi, um das Auto nachzuholen. Etwa 1,5 Stunden muß ich auf die Taxe warten und bin erstaunt, wieviel Leute schon morgens hier ihr Glas Wein trinken. Die Fahrt nach Iguerande ist dann schnell getan und kostet 450 Francs. Der Fahrer spricht zwar kein Wort deutsch, aber er ist ein Beweis dafür, daß man sich auch so ganz gut verständigen kann, wenn man nur will. Jedenfalls weiß ich nachher, daß er gerne angelt, besonders Hecht, aber lieber Zander, roten dem weißen Wein vorzieht und das der Wasserstand der Loire schnell steigt, wenn es so weiter regnet. Kaum sitze ich in meinem Auto, fällt mir Dieselgeruch auf. Eine spätere Inspektion des Motorraums zeigt, daß die französischen Marder auch nicht besser sind als unsere. Nur zum Zeltabbau und Einpacken hört der Regen kurz auf, um 14.30 fahren wir los und angesichts des Dauerregens verwerfen wir unsere Absicht, in dem schönen alten Städtchen Beaune Station zu machen. Nach glatter, regenreicher Fahrt sind wir um 21.00 in Schwieberdingen. Herta hat Maultaschen italienische Art vorbereitet, schmeckt prima und Georgs Schnaps ist auch erheblich besser als der Kirsch aus Digoin.
Wir sind uns einig: die Woche auf der Loire war eine runde Sache und soll irgendwann da weitergeführt werden, wo sie diesmal aufhören mußte.

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