Tourenbericht Loire 1998

Veröffentlicht: 31. Dezember 1998

Grau ist alle Theorie - und grau ist der Himmel über Frankreich.
Was das miteinander zu tun hat ? Ganz einfach, theoretisch müßten teure High-Tech-Zelte dem französischen Dauerregen standhalten und uns warm und trocken halten. Theoretisch. Nach zwei Tagen aber ist alles klamm, nichts mehr so richtig trocken. Ohne mein stabiles Baumwolltarp und Georgs Ofen wären wir baden gegangen, in des Wortes ursprünglicher Bedeutung. Wir, das sind Georg Petz, Detlef Schultz und ich.

Am Samstag nachmittag erreichen wir nach zügig gefahrenen 650 km (ab Stuttgart) St. Aubin, den kleinen Ort, an dem Georg und ich im vergangenen Jahr unsere Loiretour beendet hatten. St. Aubin begrüßt uns, wie es uns ein Jahr zuvor verabschiedet hat, mit einem kräftigen Regenguß. Wir zelten am Ortsrand und paddeln am nächsten Vormittag spät los. Bei der Ausrüstung durften wir großzügig sein, denn jeder fährt seinen Canadier allein und laut Flußführer sind höchstens zwei Portagen zu erwarten. Ein leichter Nieselregen begleitet uns, der nach etwa 3 Stunden abrupt in einen Wolkenbruch übergeht. Bevor ich mein Regenzeug bereit habe, bin ich bis auf die Haut nass, ständig muß man schöpfen, um nicht auch noch im Wasser zu knien. Wir suchen einen geeigneten Lagerplatz, was an dem naturbelassenen Fluß nirgends ein Problem ist, bauen erst mal das Tarp auf und machen Feuer. Da wir für das Tarp verschieden lange Stangen dabei haben, läßt es sich sehr variabel aufbauen, entweder als nur-Dach bis hin zum fast-Zelt, an zwei Seiten geschlossen, eine dritte Seite kann mit einer zusätzlichen kleinen Plane geschlossen werden. So haben wir schnell einen trockenen, warmen Platz, an dem im Laufe des Abends unsere nassen Klamotten trocknen.

Ich verzichte auf eine Beschreibung der einzelnen Tage, denn eins war eigentlich allen gemeinsam: Regen und ein kalter Wind, der anscheinend nur eine Richtung kannte, von vorn. Und alle Tage endeten ganz gemütlich am Lagerfeuer, das immer bis nach Mitternacht brannte. Trotz des schlechten Wetters war die Stimmung gut, denn unsere Ausrüstung stimmte und der Fluß kann einen wirklich begeistern. Nichts für Wildwasserjunkies, aber das Richtige für jeden, der in uriger Flußlandschaft die Seele baumeln lassen will. Ich zitiere mal eine Stelle aus dem sonst eher nüchternen DKV Flußführer: Ab hier bekommt die Loire ihr endgültiges Gesicht: weite Schleifen, großartige Uferabbrüche in ursprünglicher Landschaft, sandige Ufer, große Kiesbänke, Auwälder, viele Inseln, Baumstämme im Fluß. Klingt ein bißchen pathetisch, ist aber so. Ansonsten muß beim Lesen des Flußführers immer die Jahreszeit berücksichtigt werden, die Campingplätze sind fast alle schon geschlossen und auch manches Restaurant ist nur auf sommerliche Touristenströme eingerichtet.

Zwei Wehre hemmten den Fluß, und damit auch uns. Das erste war in Decize und konnte per Bootswagen etwa 400 m umkarrt werden, eine Aktion, die bei drei Booten schon eine gute Stunde dauerte. Das zweite liegt bei dem Ort Imphy und hat ganz rechts eine schöne Durchfahrt mit Schwall und Wellenbildung, die man aber in jedem Fall vorher ansehen sollte, denn uns hatte der Regen einen guten Wasserstand beschert. Ansonsten bietet die Loire wassertechnisch keine Schwierigkeiten und ist auch für Anfänger und Familien empfehlenswert.

Der von uns gepaddelte Abschnitt St.Aubin - Nevers umfaßt knapp 80 km, bei 5 Paddeltagen ergibt das eine eher bescheidene Tagesleistung. Aber unser erklärtes Ziel war Urlaub und nicht Streckenfressen. Bei anderem Wetter und anderer Windrichtung wäre es vielleicht etwas mehr gewesen, vielleicht hätten wir aber auch mehr auf Kiesbänken gelegen und hätten uns die Sonne auf den gut gefüllten Bauch scheinen lassen.

In Nevers habe ich eine Taxi genommen, um das Auto nachzuholen, während Detlev und Georg das Lager aufbauten. Die Fahrt nach St.Aubin kostete umgerechnet etwa DM200,- , neben dem Sprit der dickste Posten unserer Reisekasse. Die Schlußabrechnung ergab für jeden von uns eine Belastung von DM190,-, zuzüglich der Vorräte, die jeder vorher besorgt hatte.
Ein besonderes Problem war die Verständigung, denn keiner von uns spricht französisch, und deutsch- oder englischkundige Franzosen sind absolute Mangelware. Ein guter Sprachführer wäre nützlich gewesen, allein schon um mit der Speisekarte des netten kleinen Lokals in Nevers etwas anfangen zu können.

Zur Orientierung benutzten wir: Michelin Karte Nr. 69 Maßstab 1/200000
DKV Auslandsführer Band 6 (Nordfrankreich,Benelux)

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