Fahrtenbericht Allier 1999

Veröffentlicht: 31. Dezember 1999

Nachdem wir in den vergangenen zwei Jahren die obere Loire bepaddelt hatten, war die Wahl für diesen Herbst auf den Allier gefallen. Wer die Fahrtenberichte von 97 und 98 gelesen hat, der weiß wie sehr uns die Touren auf der Loire gefallen haben - wir gingen also mit recht hohen Erwartungen auf den größten Nebenfluß der Loire. Wir, das sind wie im vergangenen Jahr Georg Petz, Detlev Schultz und ich.

Wir erreichten unseren Startpunkt Brassac-les-Mines am späten Nachmittag, der Campingplatz hatte natürlich schon geschlossen und wir schlugen unsere Zelte nebenan auf einer Wiese direkt am Fluß auf. Ein ergiebiger Regen weckte am nächsten Morgen nicht nur uns, sondern auch Erinnerungen an den Dauerregen im Vorjahr, was die Stimmung etwas trübte, auch wenn jeder versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Nachmittags ließ der Regen nach, sogar die Sonne ließ sich blicken, konnte sich gegen den kalten Wind aber kaum durchsetzen. Und so blieb das Wetter für den Rest der Woche - trocken und meist sonnig. Trotzdem waren wir ständig dabei, Klamotten zu wechseln. An windgeschützten Ecken reichte Hemd oder gar T-shirt, zog eine Wolke vorbei, schlupfte man in Weste oder Sweatshirt und sobald der Wind einen erwischte, war die dicke, winddichte Jacke dran. Nachts wurde es bei glasklarem Himmel und phantastischem Sternenzelt frostig bis zu etwa -4°, was unser Olivenöl dazu veranlasste, sich erst am Feuer zu wärmen, bevor es morgens aus der Flasche kam. Das zweite, was dauernd gewechselt wurde, war das Paddel. Ruhige Flußpassagen wurden immer wieder abgelöst von flachen, teilweise sehr flotten und steinigen Schwallstrecken, wo man das schmale Wanderpaddel gegen ein etwas breiteres und robustes eintauschte.

Brassac-les-Mines hatten wir als Einsatzstelle gewählt, da sich laut Flußführer oberhalb des Ortes auf knapp 50 km sieben Wehre finden mit der Bemerkung: eventuell fahrbar. Da der DKV-Führer dies "eventuell" auf Kunststoffeiner bezieht, kann man bei beladenen Canadiern eigentlich gleich von einer Umtragung ausgehen, und wer macht das im Urlaub schon gern, zumal auch diese Tour unter dem Motto stand: Relaxen, Seele baumeln lassen und nicht Kilometer fressen und sich den harten Mann beweisen. Zwischen Brassac und unserer Aussetzstelle kurz vor Vichy zwangen uns auf knapp 120 km nur fünf Hindernisse aus den Booten:
Wehr bei km 210,4, rechts leicht zu umtragen
Felsriegel bei km 231, wir konnten links treideln, Tragen wäre sehr mühsam
Wehr bei km 233,8, rechts etwas mühsam zu tragen
Stufe mit WW IV bei km 238,8, rechts ca 250m umtragen, mühsam durch Steilufer, rechtzeitig ganz rechts fahren, da es
sonst durch Untiefen schwierig werden kann anzulanden. Ansonsten schöne Übernachtungsstelle.
Stufe unter Autobahnbrücke bei km 240, rechts tragen, nur ein paar Meter, aber über scharfkantige Steine

Als etwas schwierig gestaltete sich teilweise die Suche nach einem Lagerplatz, der dichte Bewuchs am Ufer bescherte uns zwar eine reiche Vogelwelt, ließ aber für unsere Zelte manchmal wenig Platz. Am dritten Tag mußten wir bei einbrechender Dunkelheit den nächstbesten Platz nehmen, wie sich später heraussellte, standen wir genau in der Einflugschneise des Flugplatzes von Clermont-Ferrand, was unsere Nachtruhe um 7.oo Uhr beendete.

Wie schneidet der Allier im Vergleich zur Loire ab ?
Wassertechnisch hat der Allier eindeutig die Nase vorn. Flotte Strömung und manche schöne Schwallstrecke lassen Freude aufkommen, machen den Fluß aber für Anfänger ungeeignet. Landschaftlich hat mich das breitere Loiretal mehr angesprochen, nicht zuletzt wegen der tollen Lagerplätze, die eigentlich nach jeder Flußbiegung zum Bleiben einladen. Die Entscheidung fällt wirklich nicht leicht: Für einen Familienurlaub würde ich sicher die Loire bevorzugen, bin mir aber auch sicher, daß ich irgendwann die Reststrecke von Vichy bis zur Mündung des Allier in die Loire noch paddeln werde.

Die Tour in Stichworten:
Anfahrt 02.10.
Paddeltage 03.10. bis 08.10. Nachholen des Autos per Taxi, für 100 km etwa 800 FF (Nachttarif wäre teurer)
Rückfahrt 09.10.
DKV-Auslandsführer Band 6 Nordfrankreich/Benelux
Michelin Karten Nr. 69, 73, 76 (1 : 200000)

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