Die Värendsleden Kanutour: Südschweden 2001

Veröffentlicht: 31. Dezember 2001

Als die brandneue "Nils Holgerson" pünktlich um 22.00 in Travemünde ablegt sitzen wir schon im Speisesaal und genießen das üppige Buffet. Die Fährverbindung Travemünde-Trelleborg ist sicher die komfortabelste Art, nach Südschweden zu gelangen. Die da sitzen und genießen sind Detlev und Thomas aus Berlin, Dieter und Walter aus Bruchköbel, Georg aus Schwieberdingen und Peter aus Wetter. Unser Ziel ist das Seengebiet um die Stadt Växjö, genauer die "Värendsleden " Kanuroute.

Ich kenne diesen Teil Smâlands recht gut von verschiedenen Familienurlauben und mag die sanft hügelige, abwechselungsreiche Landschaft mit den vielen Seen sehr. Besonders diese Seen mit den unzähligen Inselchen, Buchten und flussähnlichen Verbindungen hatten es mir schon bei meinem ersten Besuch angetan. Von einem festen Standort aus hatten wir mir Fahrrad und Kanu die Gegend erkundet, auch einige Mehrtagestouren waren dabei, aber die wunderschöne Värendsledenstrecke fehlte mir noch. Anfang Oktober wurde ich fünfzig, die Fahrt sollte ein Geschenk an mich selbst sein - ok, ich geb’s zu, ein bisschen wollte ich auch dem Trubel zu Hause entgehen.

Unser Startpunkt war Asa, ein kleiner Ort ca. 40 km nördlich von Växjö, den wir nach dem Anlegen in Trelleborg ohne Eile bis Mittag erreichten. Eine Stunde später saßen wir in den Booten und paddelten bei warmer Herbstsonne über einen spiegelglatten Asasjön, kaum vorstellbar, daß es hier auch anderes Wetter geben könnte (es konnte, wir haben es erlebt). Die Nacht verbrachten wir auf einem schön angelegten Lagerplatz, sogar Brennholz lag bereit. Der Sternenhimmel war überwältigend, auf dem See sammelten sich die Kanadagänse für ihren Flug gen Süden, der Mond schien fast voll, das Abendessen schmeckte prima, kurz, es war beängstigend schön.

Wäre es so schön geblieben, ich würde Tag für Tag ausführlich schildern, schon um euch Leser neidisch zu machen. Doch wir bekamen einen Wettermix, der außer Schneefall fast nichts ausließ. Kräftiger Wind, halbe Wolkenbrüche, trüber Nieselregen, aber auch immer wieder Sonne wechselten einander ab. Da unser Tagesablauf sich im wesentlichen auf paddeln, Lager aufbauen, essen, schlafen und Lager abbauen beschränkte, möchte ich mehr den Charakter der Tour schildern und einige Infos geben.

Von Asa bis zu unserem Ziel auf der Halbinsel Getnö waren gut 100 km zu paddeln, bei sechs Tagen im Boot eher bescheidene Tagesetappen. Doch der teilweise starke Wind ließ uns manchen Kilometer wie drei erscheinen und im Canadier ist es wie auf dem Fahrrad, egal wo man hinfährt, der Wind kommt immer von vorn. Mit dem Wind kamen auf den offenen Seen die Wellen, die das Vorwärtskommen noch erschwerten und auch schon mal über den Süllrand schwappten. Manchmal lohnte es sich, im Windschatten dicht unter Land einen Umweg zu fahren, es war trotzdem schneller.

Auch die neun Umtragestellen kosten Zeit (und Kraft). Da es sich um Strecken von bis zu 400m auf guten Wegen handelt, ist ein Bootswagen ausgesprochen nützlich. Nach der zweiten oder dritten Portage spielte sich das bei uns immer besser ein, die Handgriffe saßen und die Schlepperei wurde immer gelassener.

Sieben dieser Tragestellen finden sich im Bereich zwischen Växjö und dem Salensee. Es lohnt sich trotzdem, auch diesen Abschnitt zu befahren, nicht zuletzt wegen der Fließstrecken mit teilweise recht flotter Strömung. Die flachen, nur knapp überspülten Steine sind oft erst spät zu sehen und mit den schwer beladenen Booten gar nicht so einfach zu umkurven.

Entlang der Värendsledenroute sind etliche offizielle Übernachtungsplätze eingerichtet, die gegen geringes Entgelt (20 Kronen pro Person) meist eine Wasserstelle, Feuerstelle und Holz, Windschutz und Trockentoilette bieten. Wir haben uns die meisten der Camps zwischen Asa und Getnö angeschaut, das Spektrum ist groß. Von absolut unbrauchbar bis zu liebevoll ausgestattetem Plätzchen mit geschlossener Schutzhütte und steinernem Schachbrettisch haben wir alles vorgefunden. Kleine Gruppen finden aber auch auf einem der vielen Inselchen oder am Seeufer einen Lagerplatz, wobei bitte streng auf die Vogelschutzgebiete und natürlich Privatgelände zu achten ist. Außerhalb der Saison Juli/August sind die offiziellen Plätze jedenfalls empfehlenswert, es ist garantiert nichts los.

Als unbrauchbar bezeichneten wir drei Plätze: am Krakesjön, am Helige â 2 km nördlich von Huseby und am Asnen südlich von Hulevik bei Ramnaberg.

Unbedingt erforderlich ist eine vernünftige Karte und ein Kompass. Wer nicht ständig auf der Karte seinen Weg verfolgt, hat sich schnell verpaddelt. Was auf der Karte so einfach und übersichtlich erscheint, sieht auf dem Wasser ganz anders aus. Es ist nicht zu erkennen, ob Ufer oder Insel, Bucht oder Durchfahrt vor einem liegen und sorgloses vor sich hinpaddeln bezahlt man schnell mit stundenlangen Umwegen. Beim Überqueren von größeren Seenflächen lohnt sich durchaus das Anlegen eines Kartendreiecks und das genaue Anpeilen eines Zielpunktes mit dem Kompass. Dies gilt vor allem im Bereich des südlichen Asnen. Eine genaue Karte mit vielen Informationen über Übernachtungsplätze, Einkaufmöglichkeiten etc. gibt es bei den Touristenbüros der Region, leider nur im Maßstab 1 : 75000. (Värends-kartan). Sehr gut ist die Reihe der topografischen Karten "Gröna Kartan" 1 : 50000, als Ergänzung zu der Touristenkarte wären die Karten 4E NO und 5E SO sinnvoll.

Unser Ziel Getnö ist nicht auch Endpunkt der Värendsleden Kanuroute. Man kann noch zwei Tagesetappen weiterfahren, die Tour bleibt weiterhin reizvoll. Aber uns reizten die zwei Erholungstage auf Getnö mit seinem holzbeheizten Saunahüttchen, außerdem mußten wir die Autos noch nachholen. Dabei hat uns Uli geholfen, der vor einigen Jahren mal in dieser Gegend auf meine Empfehlung hin Urlaub gemacht hat. Es war Liebe auf den ersten Blick, knapp zwei Jahre später packte er seine sieben Sachen nebst Familie und wanderte aus. Heute vermietet er Ferienhäuser am Asnen: www.schweden-ferienhaeuser.com

Wir fuhren Samstag nachmittag wieder nach Trelleborg zur Fähre, das Essen schmeckt so gut wie bei der Herfahrt, und ganz ehrlich, mit tausenden von Pferdestärken am Antrieb sieht man den Wind viel gelassener.

Fazit nach einer Woche: trotz Regen und Wind, es war eine gelungene Tour und Dank der TT-Line war auch die Anfahrt stressfrei und schon ein Stück Urlaub.

Auf ausdrücklichen Wunsch von Dieter möchte ich noch die Lammkeule erwähnen, die mein liebes Weib uns Sonntag mittag bei unserer Rückkehr vorsetzte. Sein Kommentar: ein Highlight, sensationell.
Und ich möchte mich bei ihr bedanken, daß sie mir zu meinem 50sten frei gegeben hat, und das, obwohl sie selbst in dieser Zeit den eigenen runden Geburtstag feierte.

Autor

Ausfahrt

Neuen Kommentar hinzufügen