Grundkurs 2er Canadier 2002: .....oder wie ich nebenher schnell mal Solocanadier-Fahren lernen wollte ...

Veröffentlicht: 31. Dezember 2002

Die Sache mit dem Canadier kam mir in diesem heissen Sommer wieder mal in den Sinn.

Canadierfahren will ich, am liebsten allein, unabhängig sein von der Suche nach einem willigen Mitpaddler, alleine in der Stille von Flüssen und Seen. So hatte ich mir das ausgedacht. Als Kind wohl zuviel Winnetou und Lederstrumpf gelesen.

Im Bootsladen wurde mir sofort klar, dass ich nichts über Boote wusste, graste das Internet ab und fand den GOC. Kurz angefragt bei Georg, hatte ich Glück, er hatte noch einen freien Platz im Grundkurs Zweier-Canadier und ich bekam mein halbes Leihboot.

Die Jagst war gesperrt, so trafen wir uns an der Enz bei Enzweihingen, zelteten auf dem Grundstück eines Bauernhofes, ein paar Meter von der Einsatzstelle entfernt.

Sieben Paddelschüler, drei Paare und ich, gemischten Alters und mit mehr oder weniger, ich kaum Paddelerfahrung.

Am ersten Tag gab es viel wertvolle Theorie unterm Tarp, Bootskunde, Material, Sicherheit, Knoten und ein Haufen gute Tipps, und eine ordentliche Erweiterung des Fachwortschatzes, bevor es nachmittags ins Wasser ging.

Jeder einzelne wurde auf seinem Platz geschult und von Georg vorgeknöpft. Die meisten hatten schon länger für sich gepaddelt, jetzt musste umgelernt werden. Obwohl die neuen Schläge offensichtlich effektiver waren, war es nicht einfach, die alten Reflexe zu ändern.

Die anderen lernten derweil durchs zuschauen.

Nach ein paar Stunden fühlten wir uns schon so professionell, dass wir bei den vielen vorbeifahrenden Ausflugspaddlern, nur noch Fehler sahen. Offene Schwimmwesten, oder gar keine - sitzendes Paddeln und überhaupt. Dabei wäre ich zwei Tage zuvor vermutlich so ähnlich herumgegurkt.

Aber die hatten auch nicht Georgs Spezialkniepolster, von denen wir alle begeistert waren.

Abends gingen wir Essen, es wurde nicht sehr spät. Georg schmiss noch ein Weilchen sein Wunderöfelchen an und das gemütliche Knistern des Holzes und das Feuer liess uns etwas von der Schönheit des Lagerlebens in der schwäbischen Wildnis erahnen.

Gut müde und gespannt auf den nächsten Tag fielen alle ziemlich schnell in die Schlafsäcke.

Am zweiten Tag gabs wieder Theorie unterm Tarp, bevor wir uns in die Boote setzten. Die Frauen paddeln aufgrund des geringeren Gewichts und Grösse vorne, die Männer am Heck.

Sie wurden auch ermahnt, sich als Team zu verstehen, die üblichen Pärchen-Frotzeleien, nicht in Streit und Frust umkippen zu lassen. Kameradschaftliches Miteinander, denn anders geht’s nicht, dann machts erst richtig Spass.

Ich wollte unbedingt hinten paddeln, den Steuerschlag üben, das Solopaddeln im Kopf. Georg sass vorne und ich mühte mich ab. Grundschlag - Führen.

Es ging flussaufwärts in die Strömung, um deren Bedeutung ich mir bis dahin noch keine Gedanken gemacht hatte. Das änderte sich aber sehr schnell.

Ins Kehrwasser fahren, und auch wieder heraus, auf der Stelle parallel zur Strömung bleiben.

Neben der Technik, den effektiven Schlägen, die uns Georg sehr anschaulich und mit Nachdruck (!) beigebracht hat (Grundschlag, Ziiiiiieh-Schlag, Hebel, Rückwärtspaddeln und Füüühren, Füüühren!!), war da noch die Sache mit den Kraft. Ein bisschen mehr Muckis hätten nicht schaden können, am nächsten Tag spürte ich noch deutlich, wo es gefehlt hat.

Zum Abschluss gab es die ersehnte Vorstellung im Solopaddeln, es sah so leicht und lässig aus, wie Georg sein Boot bis zum Süllrand kantete - wir standen ehrfürchtig auf der Kiesbank und staunten. Aha.

Solopaddeln wollten einige noch probieren, ich sowieso, und man liess mich allein in ein Boot.

Nun - jetzt alleine, erschien mir das Boot plötzlich unheimlich gross, ich kam selbst gegen eine minimale Strömung kaum vom Fleck. Warum ich es kaum schaffte vorwärts zu paddeln und eher schräg rückwärts kam, an der Uferböschung gegenüber festhing, obwohl ich dort gar nicht hinwollte, weiss ich nicht mehr so recht. Dort hab ichs dann endlich kapiert, dass Solofahren so einfach nicht ist, und man besser zu zweit mit Paddeln anfangen sollte.

Wir haben sehr viel gelernt in den zwei Tagen, auch durch Fehler, die wir in der Hektik machten, und hoffentlich waren wir Greenhorns für den Lehrer einigermaßen erträglich.

Ich bin an meine Grenzen gekommen, das ist gut so - habe vor allem Respekt vor dem Paddeln bekommen und vor dem Fluss.

Glücklich war ich, das Wochenende mitgemacht zu haben, ein bisschen stolz sogar, auf richtig gute Art müde und zufrieden. Irgendwann werde ich mir ein Boot kaufen, wer mit mir paddeln will, wird vorher in den Grundkurs A2 zu Georg geschickt, sonst läuft gar nichts.

Ich mach dann gerne nochmal mit.

Die Sache mit dem Solofahren ist wirklich eine andere Geschichte.

Ich habs eingesehen, dass es so schnell nicht geht (okay, okay!), bedanke mich bei Georg herzlich für die erteilte Lektion, und ziehe meine noch unsichtbare Fellmütze vor allen, die es beherrschen. Respekt!

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