Workshop: Retten und Bergen auf Wanderfahrt ´05

Veröffentlicht: 14. März 2006

Mitte Juni, traf sich nun zum … ? ten Mal eine Gruppe GOC ler zum Workshop „Retten und Bergen auf Wanderfahrt“ auf dem Campingplatz Wolfsmühle bei Speyer.
Das finden des Platzes war dank der guten Anfahrtsinfos von Andreas kein Problem, auch hatte er rechtzeitig daran gedacht das optimale Wetter für dieses Wochenende zu ordern. Nicht ganz ohne Eigennutz wie sich am nächsten Tag herausstellte, aber dazu später mehr. Nach einem vielerorts doch recht kühlem Frühjahr/Frühsommer kam das gerade richtig, besonders da das Thema des Kurses doch etwas Wasserkontakt vermuten ließ.

Mit Irmgard, Detlef und Ramona, Wolfgang mit Sohnemann Josef, Ute, mir und Söhnchen Jonatan (3 ½ Jahre) sowie den beiden Coaches Georg Petz und Andreas Steltner mit Tochter Nele, waren wir ein kleines aber feines Team.

Gleich Freitag Abend sollte uns bereits ein Highlight erwarten: Andreas hatte seinen neuen 10er Mannschaftskanadier mitgebracht, den er für den Kurs sozusagen als Basis-Schiff zur Verfügung stellen wollte. Er kennt die Altrhein-Gegend um Speyer schon viele Jahre und lud uns ein, eine Nachtfahrt mit dem beeindruckenden 105kg Boot zu machen.

Mit Sechs Mann/Frau gings kurz nach Sonnenuntergang auf große Fahrt. Erst mal per Landy zum Otterstädter Altrhein, dann weiter via Wasserweg und Paddelschlag.

Die erste Herausforderung war natürlich das Riesenteil vom hohen Autodach sicher ins kühle Nass zu bringen. Aber wie heißt es so schön: „Gemeinsam sind wir stark“, also wurde auch das geschafft. Sogar ohne die an der Einsatzstelle auf Beute wartenden Angler allzu sehr zu ärgern J

Der Himmel, die Wolkenbänder und die nur schattenhaft wahrnehmbare Szenerie der Auenwälder, Inseln und vor Anker liegenden Segelboote war beeindruckend. Der Mond hatte eine tolle Corona und beleuchtete den Altrheinarm geheimnisvoll. Das Wasser war fast spiegelglatt wie auf einem See. Doch die Ruhe währte nicht allzu lange, wollte doch Georg gleich mal die Fahreigenschaften eines solch großen Kanadiers austesten und Andreas war natürlich gespannt wie des „Meisters“ J Kommentar dazu ausfallen würde. So wurde die arme Galeeren-Mannschaft auf der Strecke auch einige Male zum flotteren Vortrieb gebeten, nur um in Erfahrung zu bringen wie drehfreudig ein 7-Meter Schiff denn sei. Aber eigentlich tat das der tollen Stimmung in dieser Nacht keinen Abbruch. Wir hatten ja auch nur einen Ausfall auf der Rückfahrt zu beklagen – Josef hatte einfach die Müdigkeit übermannt, und legte sich auf eine Sitzbank schlafen. Gegen 1:00 Uhr morgens waren wir dann auch wieder alle wohlbehalten im Camp angekommen und freuten uns bereits auf den nächsten Tag.


Mit dem Samstag begann nun der offizielle Teil des Kurses. Zunächst stand einiges an Theorie auf dem Programm. Hier wurden die vielen Aspekte angesprochen welche in den Themenrahmen von Retten und Bergen beim Wassersport eine wichtige Rolle spielen. Von A wie Ausrüstung bis Z wie Zusammenarbeit als Gruppe gab es jede Menge Input von Andreas und Georg. Viele Teilnehmer brachten aber zu dem Thema auch schon einiges an eigenen Erfahrungen mit ein. Es folgten dann noch einige Runden „Wurfsack“-Übungen auf der Zeltwiese, bis es dann wirklich „ernst“ wurde.

Mit dem Mannschaftskanadier, einem Northwind von Bell und einem Prospektor von NovaCraft ging es gegen Mittag wieder zum Otterstädter Altrheim um das eine oder andere, bisher rein theoretisch betrachtete auf seine Praxistauglichkeit hin zu untersuchen J.

Das Wetter hatte sich mittlerweile zu einem hochsommerlichen Badetag verändert, auch das Wasser hatte bereits eine angenehme Temperatur (zumindest die ersten 5cm an der Oberfläche), dies hatten aber auch nicht wenige andere wassersport begeisterte Mitbürger bemerkt – der Publikumsverkehr hatte verglichen mit unserer nächtlichen Ausfahrt massiv zugenommen. Dennoch hatten wir Platz satt zum üben.

Irgendwie hatte ich wohl Georgs Andeutungen nicht ganz richtig interpretiert – denn plötzlich hieß es „Mann über Bord“ beim 10er, und ich dachte: „Guckst Du mal zu was jetzt passiert“, statt dessen hätte sich Herr Petz gefreut, wenn wir mal schnell ohne zu fragen in die Gänge gekommen wären. Naja, wir sind ja hier zum Lernen, derweil trieb Andreas etwas leblos im Rheinwasser dahin. Nachdem sich die Verwirrung gelegt hatte, haben wir unsere Sache aber dann gar nicht so schlecht gemacht. Es folgten noch viele Tricks und Tipps incl. Anschauungsunterricht wie man den so einen nassen S…. wieder dem feuchten Element entreißen kann, ohne dabei selbst baden zu gehen. Irgendwie fielen Georg dann auch immer mehr Möglichkeiten ein was man noch probieren könnte, so dass mir Andreas als Opfer schon etwas leid tat. Wenigstens hatte er einen guten Neo an, der ihn sicher vor so mancher Schramme beim über den Süllrand zerren bewahrte, von Unterkühlung mal abgesehen. Irgendwann wurde auf einer nahe gelegenen Altrheininsel zum Mittag geblasen. Am Feuer gegrillte Würstl und Brot machten uns wieder fit für die nächste Runde.
Vom Ufer aus verfolgten wir nun einige Boots Untergänge und Bergemanöver und machten Wurfsackübungen. Auch die Boot zu Boot Bergungen haben wir nach den präzisen Anweisungen alle ganz gut hingekriegt Sehr interessant war der Versuch den großen
Kanadier „absaufen“ zu lassen. Als dieser sich irgendwann endlich mal auf den Rücken gedreht hatte, gab es einige Versuch auf das Teil drauf zu steigen/krabbeln. Das hatte so was von „Käptn Ahab und der weise Wal“ (der Mannschafts-Kandier hat ein strahlendes Weiß). Nicht zuletzt konnte jeder der wollte mal testen, wie man denn mit einer sog. „Schwimmhilfe“ im Fall der Fälle im Wasser „hängt“. Die Wassertemperatur jedenfalls war sogar für mich als „Warmduscher“ nach einer gewissen Überwindung akzeptabel. Sehr interessant für mich und besonders auch für meinen Sohnemann Jonatan war, dass es hier jede Menge Muscheln von der Art und Größe einer Miesmuschel gibt. Sowohl leere, als auch noch mit Bewohner.
Auf einer weiteren Insel folgte Nachmittags noch mal eine Theorie-Einheit. Diesmal zum Thema Erste-Hilfe, da aber am Sonntagvormittag noch ein Fachmann zu diesem Bereich eingeladen war wurde das hier nur angerissen. Der Tag war lang, die Sonne heiß, so stand einer ruhigen gemütlichen Runde ums Ofenfeuer am Abend nix mehr entgegen um die noch fehlende Bettschwere zu bekommen.

Wie bereits erwähnt erwartete uns am Sonntag Vormittag noch ein Block Erste Hilfe mit dem Rettungssanitäter Oliver. Hier bekamen wir noch so manchen guten Hinweis zu Verhalten als Erst-Helfer. Der Schwerpunkt hatten hier natürlich die sog. „Thermischen“ Notfälle wie Überhitzung und Unterkühlung, welche beim Paddeln hauptsächlich vorkommen können. Er hat ein hervorragende fachliche Kompetenz und beantwortete bereitwillig alle aufkommenden Fragen. Dafür, dass soviel Input nicht einfach nur Verpufft hatte Andreas vorgesorgt. Er hatte uns ein gut ausgearbeitetes Skript erstellt, um die vielen Infos dieses Wochenendes zuhause mal in Ruhe nachlesen zu können.

Zusammenfassend, war es ein sehr wertvolles Wochenende, wofür ich mich sehr gerne hier bei Andreas und Georg und nicht zuletzt beim GOC für die Finanzierung bedanken möchte.
Du wirst hier zu keinem Profi-Retter ala „Baywatch“ ausgebildet, aber jede Übung, jedes bisschen Training gibt dir sicher in dieser Richtung ein wenig mehr Ruhe und Übersicht, welche in einer Gefahrensituation immer eine wichtige Rolle spielt.
Also – Beim Nächsten mal Anmelden nicht vergessen!

Jürgen

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