Mit Kindern und Hund Jahrestreffen des German Open Canoe e. V.

Veröffentlicht: 01. Januar 2007

Wertheim (uz). Canadier und Tipi-Zelte bestimmen das Bild unterhalb des Wertheimer Kanu-Clubs. Neben jeglicher Art von Ausrüstung werden Felle feilgeboten, Trapper mit Lederanzug und Cowboy-Hut verhandeln am Stand. Das Klischee des lonesome Cowboys scheint perfekt.

Doch dieser erste Eindruck täuscht: „Man darf das nicht verallgemeinern“, betont Peter Bergmann, 2. Vorsitzender des German Open Canoe e.V. (GOC), der hier im 15. Jahr seines Bestehens sein Jahrestreffen abhält: „Nur ganz wenige unserer ca. 250 Mitglieder kommen im Trapper-Look – die meisten sind ganz normal“. Sie hausen auch nicht in Indianer-Tipis, sondern in bauähnlichen schwedischen Katas. Diese Zelte bestehen aus einer leichten, feuersicheren Baumwoll-Synthetik-Mischung mit einem Rauchabzug an der Spitze. „Wir fahren auch gerne im Winter“, klärt Pressewartin Margrit Stickel auf, „und da ist es mollig warm, wenn wir den Ofen schüren.“

Aha – da ist er also, der Unterschied zu einem „normalen“ Kajakfahrer! Aber sonst sind sich die Neigungen sehr ähnlich: Im Vordergrund steht das Bootfahren in einer möglichst naturnahen Umgebung, das Verlangen, abzuschalten und nur noch Boot, Wasser (vom stillen See bis hin zu ordentlichem Wildwasser), Vogelgezwitscher, Paddelfreunde und am Abend das Lagerleben genießen.

Das findet in Wertheim in seiner gemütlichsten Form statt. Etwa 100 Mitglieder des GOC sind aus allen Teilen Deutschlands eingetroffen. In den meisten Kanuvereinen laufen die eingefleischten Canadierfahrer oft nur „nebenher“ mit, fühlen sich nicht richtig angenommen. Canadier fahren ist nicht nur eine Bootsgattung, sondern ein Lebensgefühl...

Im GOC dagegen sind die Stechpaddel-Spezialisten unter sich, finden – ohne „Vereinsmeierei“ – Rat und Unterstützung, und dann gibt es noch ein volles Fahrtenprogramm vom Wintercamp im Januar bis zur Tour „Im Mannschaftscanadier vom Bodensee bis zur Nordsee“ im November. Doch die Mitglieder sind in dem deutschland-überspannenden Einzugsgebiet des Vereins weit verstreut. Oft ist es nicht möglich, gemeinsam auf Tour zu gehen. Wenigstens einmal im Jahr will man sich sehen. Und wie auf dem Wasser ist hier die ganze Familie dabei: Mann, Frau, Kinder und Hund. Auf dem Programm stehen u. a. Videos, Diashows und ein GPS-Kurs. Canadier-Grund- und Aufbaukurse bietet das GOC-Mitglied Georg Petz in seiner Heimatgemeinde Schwieberdingen an.

Erstmals ist in das Jahrestreffen des Vereins ein Holzboottreffen integriert, bei dem acht Hersteller/Händler von Holzbooten und –Canadiern ihre handwerklichen Schmuckstücke zeigen und zum Probe fahren einladen. Das wird gerne und reichlich genutzt. Jedes Boot ist anders. Eine solche Artenvielfalt vom Aussehen, von der Herstellungsmethode und vom Fahrverhalten wird man sonst vergeblich suchen.

Man sieht diesen Prachtexemplaren an, dass sie mit viel Liebe – auch zum Detail – hergestellt sind. Von Fabrikarbeit und Massenfertigung keine Spur, dafür glänzend lackierte Liebhaber-Stücke in allerhöchster handwerklicher Qualität. Da ist sogar die Rede von einem Boot, das seinen Platz im Wohnzimmer gefunden hat ...

Diese Hersteller sind sich in Wertheim (beim Boot fahren!) einig geworden: Sie gründen eine Holzboot-Union. Alle sind mehr oder weniger „Einzelkämpfer“ und wollen von nun an im Schulterschluss ihre Stärken wirksamer einsetzen. Gemeinsamer Materialeinkauf, aber auch das gemeinschaftliche Vermarkten einzelner Teile haben sie geplant. Auch mit einem eigenen Internetportal wollen sie bis zur Kanu-Fachmesse 2006 in Nürnberg ihren Weg in die Zukunft beschreiten.

Wer mehr über den GOC erfahren möchte, findet Kontakte und Informationen im Internet unter www.g-o-c.de.

Herzlichen Dank an Uschi Zimmermann für ihren Besuch beim GOC-Treffen, den schönen Artikel und die freundliche Abdruckgenehmigung!

Der Artikel wurde veröffentlicht in:
„kanu-kurier“ Heft 3 (Juni/Juli 2006) Seite 10 f.
„Kanu-Sport“ Heft 7 (Juli 2006) Seite 44
Homepage des „Kanumagazin“ www.kanumagazin.de

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