Solo-Canadier-Kurs ´07

Veröffentlicht: 18. Juni 2007

Der erste Tag

Samstagmorgen kam ich zwar fast eine Stunde vor dem offiziellen Beginn des Kurses an, war aber trotzdem der letzte der fünf Teilnehmer. Die anderen waren alle schon am Vorabend angereist. Auf dem Platz standen bereits drei Tipis - durch die sich die Besitzer als Mitglieder des GOC ausweisen. Ich war das einzige Nicht-Mitglied an diesem Kurswochenende.

Georg Petz servierte einen Begrüssungskaffee - auf dem bullernden selbstgebauten Ofen gebraut - und die Boote wurden auf die Autos geladen um zur Übungsstelle zu fahren.
Kurz unter dem unteren Vaihinger Wehr übten wir den Grundschlag (eine mühsame Angelegenheit, wenn man sich in jahrelangem Training einen einigermaßen passablen J-Schlag erarbeitet hat), "Führen", die flache Stütze, die hohe Stütze, "Übergreifen" und dergleichen mehr.

Georg hatte mich überredet, seine Kniepolster auszuprobieren und mich an die vordere Querstrebe anzulehnen, so dass ich das Boot rückwärts manövrierte - vorne bekam das Boot einen mit Wasser gefüllten Balast-Wassersack damit der Bug auch ins Wasser griff. Mittags taten mir die Knie entsetzlich weh weil die Knieschoner die Kniescheibe bei jeder Bewegung stauchten - die hohe aufrechte Position entwickelte zu viel Druck auf meine lädierten Knie.

Zur Mittagspause luden wir die Boote wieder auf die Autos und fuhren zum Lagerplatz. Viel Pause machten wir dann aber nicht sondern bewegten die Autos gleich nach dem Essen erneut zur Einsatzstelle und begannen mit ersten Kehrwasserübungen an der Enzbrücke.

Gut, dass wir uns nicht weit von der Brücke entfernten denn unter ihr mußten wir schließlich einen durchaus ergiebigen und recht lang anhaltenden Gewitterguss abwarten.

Als sich der Regen legte paddelten wir flussabwärts zum Lagerplatz - eine Strecke von wenigen Kilometern, für die wir erstaunlich viel Zeit brauchten weil in jedem Kehrwasser ausführlich geübt wurde. Georg korrigierte und wies an: "Führen, - Führen, - Führen!" Und wir 'führten' selbst dann noch wenn wir die Kehrwasserströmung längst hinter uns gelassen hatten. Wir wurden zunehmend besser.

Ich hatte meine alte Kniematte reaktiviert und mich auf mein Kneeling-Thwart gesetzt. Damit war ich näher am Mittelholm und der Schwerpunkt lag nun auch tiefer, die Knie konnten uneingeschränkt bewegt werden. Die Position war für mich doch komfortabler und das Dickschiff ließ sich so von der Mitte aus deutlich besser manövrieren. Der Balastsack blieb im Bug (und verlor durch ein winziges Loch ganz allmählich Wasser..)

Als wir die wenigen Kilometer in mehreren Stunden zurückgelegt hatten und am Lagerplatz angekommen waren stiegen die vier Fahrer in mein kleines Auto und wir fuhren zu ihren Vehikeln an der Einsatzstelle. Zurück bei den Zelten tranken wir im schnell geheizten Zelt noch einen Kaffee und gingen in einer Regenpause hinüber zur Sportgaststätte um griechisch zu essen, 'Männer'gespräche über Politik, Autos und dergleichen zu führen und ein Bier nach dem anderen in uns zu kippen. Ein netter Abend! Draußen entwickelte sich Nebeldunst über dem Sportplatz.

Nachdem wir den schließlich doch überquert hatten redeten wir noch in Georgs Zelt am warmen Ofen weiter während es draußen fortdauernd regnete.

Der zweite Tag

Am zweiten Tag kamen wir gegen 7:00 Uhr aus den Schlafsäcken, der Ofen wurde angeheizt und es gab frisch aufgebrühten Kaffee zum Frühstück. Gegen 9:00 machten wir uns erneut zur Einsatzstelle auf. Diesmal wurden die Autos gleich zur (weiter unter dem Lagerplatz gelegenen) Aussatzstelle gefahren. Ich hatte heute meinen Solo-Canadier gewählt und entdeckte bei den ersten Kehrwasserübungen unter den Brückenpfeilern das gestern eher 'beiläufig' aufgeschnappte "Übergreifen" mit dem Paddel.
Früher hatte ich diesbezüglich auch schon Versuche angestellt und nie begriffen, wie das eigentlich gehen soll, das Paddel ohne Wechseln der Griffhand auf die andere Bootsseite zu führen und damit dann auch noch sinnvolle Manöver im Wasser auszuführen. Jetzt erschloss sich mir diese Technik - bestärkt durch Georgs korrigierende und ermutigende Hinweise.

Weiter gings die Enz hinab: Georg machte vor, wir machten nach: Kanten, übergreifen, einschwingen, ausschwingen...

Am Lagerplatz machten wir eine kurze Pause um dann gleich anschließend die weiter unten liegende Strecke anzugehen. Weitere (auch heftigere) Kehrwasser wurden in allen Variationen befahren und der Brückenschwall bei der unterhalb von Enzweihingen gelegenen kleinen Enzbrücke wurde in unterschiedlicher Intensität beackert - meine Vorstellung, ihn von unten kommend doch überwinden zu können erwies sich als Illusion. Aber in dem stark bewegten Wasser voranzupaddeln und Seilfähren zu üben machte mir doch so viel Spaß dass Georg mich irgendwann mal bremsen musste damit wir auch weiter kamen.

Die meisten von uns bauten inzwischen konditionell doch etwas ab, das Mittagessen war ausgefallen und einige hatten noch einige hundert Kilometer Autofahrt vor sich so dass das Ende der Übungen gegen 14:30 Uhr willig akzeptiert wurde. Die bereitstehenden Autos wurden beladen und Georg brachte es fertig, vier Boote auf seinen Bus zu knüpfen. Dabei bedient er sich einer Knotentechnik die mir bisher nur in amerikanischer Kanu-Literatur begegnet war.

Am Lagerplatz wurde noch schnell ein Kaffee aufgesetzt - Georg stellt immer wieder bereitwillig die Leistungsfähigkeit des von ihm entwickelten Zeltofens unter Beweis - und ein improvisiertes Mittagessen eingenommen bevor sich die Teilnehmer gegen 16:00 Uhr müde aber zufrieden - meine ich - auf ihre Heimwege machten.

Ich hätte Georg ja gerne noch geholfen, sein Zelt abzubauen, aber ihm war es lieber das allein zu tun - er hat da seine eigene Systematik. Kann ich verstehen, habe ich auch. Diese Tipis sind doch ganz erstaunlich komfortable Unterkünfte - besonders mit so einem vortrefflichen Ofen. Die Nacht und die beiden Tage in und an Georgs Zelt haben bei mir entsetzliche Konsumwünsche wach gerüttelt - ich muss mich dringend nach einem passablen Tentipi umsehen und mir einen Zeltofen zulegen (in Gedanken zersäge ich schon Feuerlöscher und/oder Gasflaschen um daraus einen Ofen zu bauen...).

Nun - einige Wochen nach dem Kurs - ist mir noch klarer geworden, was ich im Kurs alles gelernt habe. Der Respekt vor strömendem Wasser bleibt aber die Lust sich darauf zu tummeln wächst mit zunehmender Bootsbeherrschung.

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