Altbekanntes und Neues auf der Moldau ´07

Veröffentlicht: 09. Oktober 2007

2. B E C H E R O V K A - A U S F A H R T:


Altbekanntes und Neues auf der Moldau vom 12. – 19. Mai 2007


Becherovka? Wo fließt der denn? Mag sich wohl mach einer gefragt haben, als er die Ausschreibung der "2. Becherovka-Ausfahrt" liest. Diejenigen, die schon bei der "1. Becherovka-Tour" dabei waren, wissen natürlich, dass es sich hierbei um die Kanutour auf der Moldau handelt. Die heißt im tschechischen "Vltava" und nicht etwa "Becherovka" – wie vielleicht der ein oder andere jetzt vermutet.

Dieser würzige Kräuterschnaps aus Karlsbad ist neben den beliebten Bieren ein weiteres Nationalgetränk der Tschechen und wird aufgrund seiner "Heilkräfte" nach einem kulinarischen Gelage auch als "13. Karlsbader Quelle" bezeichnet. Vor übermäßigem Genuß wird allerdings gewarnt. Er lässt den Untergrund schwanken, auf dem man sich gerade bewegt! Da der Becherovka als ständiger Begleiter zur Tour gehört, ist er zum Namensgeber der Moldau-Ausfahrt geworden.

Auf der insgesamt 440 km langen Moldau widmenten wir uns den schönsten Abschnitten, sowohl landschaftlich als auch wassertechnisch gesehen – von Vyšší Brod bis Boršov unterhalb der Stauseen und von Horní Vltavice bis Pekna im "Nationalpark Šumava" (Böhmerwald).

Glücklicherweise bewahrheiteten sich die letztjährigen Gerüchte nicht, den Nationalpark für Paddler zu sperren. Sorge bereitete uns nur die fehlende Nässe von oben, denn der Wasserstand der Moldau befand sich im Sinkflug.

Sa., 12.05.07 Hallo Moldau! – Wir sind wieder da,…
…lautete die Devise, als im Laufe des Tages fast alle auf dem Campingplatz in Vyšší Brod eintrafen.

So., 13.05.07 Von Vyšší Brod bis Rožmberk: Ein bisschen mehr Wasser!
Wie anders zeigte sich die Moldau in diesem Jahr. Entließ normalerweise die Staumauer das Wasser in einem ordentlichen druckvollen Schwall, spuckte sie gerade mal ein Schwällchen aus. Hier, wo bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Flöße gebunden wurden, um ihre Reise nach Prag anzutreten, setzten wir die Boote ein.

Ruhig strömend wand sich die Moldau in ihrem flachen Flussbett an den Häusern entlang und unter den Brücken der Stadt hindurch bis zum Wehr "U Bílého". Aber wo war der Felsstein am linken Ufer, der unterhalb des Wehres auf Opfer lauerte? Fort! Somit entfiel das adrenalinsteigernde Einsetzen, auch der geringere Druck am Auslauf der Floßgasse trug dazu bei. Nur Karla sah das noch ganz anders.

Bis zur nächsten Barriere, dem Wehr "Herbertov" bahnte sich die Moldau ihren Weg über einige, uns bisher unbekannte Stromschnellen, die ihre Aktivität ausschließlich dem niedrigen Wasserstand verdankten. Nach der konzentrationsfordernden Passage durch den Steinparcour unterhalb des Wehres brachte die kurze Gefällstrecke mal etwas Geschwindigkeit – allerdings nur solange, bis sich die beiden Flussarme wieder vereinten. Golden ließ die Sonne den Boden des nun breiten, flachen Flussbettes schimmern. Obwohl sich Bodenkontakt mit dem Paddel manchmal nicht vermeiden ließ, reichte doch die "Handbreit Wasser unterm Kiel" gerade noch aus. Einzelne große Steine schauten hoch aus dem Wasser heraus. Nur zum Kehrwasserfahren boten sie diesmal keinerlei Reiz.

So glitten wir gemächlich durch den schmalen Waldgürtel, bis uns der kleine Saisonimbiss des Lagerplatzes "U Trí veverek" anlockte - rechtzeitig zur Energieaufladung. Derart gestärkt fielen die letzten paar Kilometer bis Rožmberks alles andere als schwer. Die Bootsgasse des Wehres "Dolní mlýn" sorgte für eine flotte Überwindung des Hindernisses, konnte aber auch für Überraschungen am Ende sorgen wie z. B. der magnetischen Wirkung der Kaimauer. In einem weiten Bogen geleitete uns die Moldau um den hohen, lang gezogenen Felsvorsprung herum, von dem aus die Burg Rožmberk uns stets im Blick behielt. Hinter der Fußgängerbrücke verhalf uns eine kleine Stromschnelle zu einem schwungvollen Anlegemanöver am idyllisch am Fuße des Burghügels gelegenen Campingplatzes.

Schnell waren die Zelte aufgebaut und der erste Trupp macht sich daran, den Burghügel zu erklimmen. Steil ging es über die natürlichen Stufen des alten, freigelegten Wurzelwerks hinauf, was oben mit einem grandiosen Panoramablick auf das Moldautal belohnt wurde. Nach dem kurzen Abstieg bis zur Straßenbrücke und
kurzweiligen Spaziergang durch den kleinen Ort kehrten wir ins "Hotel U Martina" ein, in dem wir für einiges Aufsehen sorgten. Genauer gesagt, Peter B. sorgte mit seiner Bestellung "Dresche des Burgwachen" dafür. Was sich dort auf der Platte stapelte - zwei halbe Hähnchen, verschiedene Fleisch- und Wurstsorten sowie diverse Beilagen - hätte wahrscheinlich für alle am Tische gereicht.

Zurück zum Campingplatz folgen wir der zum Fluss parallel verlaufenden Straße, an der ein Fischrestaurant liegt. Hier treffen wir noch den Rest der Gruppe und gesellen uns noch ein Weilchen dazu, bevor wir uns gemeinsam auf den Weg zu unseren Zelten machen.

Mo., 14.05.07 Von Rožmberk bis Ceský Krumlov: Wasseruntersuchungen inbegriffen!
Mal geruhsam, mal beschwingt strömte die Moldau Ceský Krumlov entgegen, machnmal vom Verkehrslärm der immer noch parallel verlaufenden Straße begleitet. Einige rund geschliffene Steine belebten die Fahrt und sorgten für etwas Abwechslung, z. B. auch in form eines Ruheplatzes. Mittagszeit bedeutete Rastzeit. Also legten wir an der Furt von Branná an, und schon saßen wir auf der schönen, überdachten Holzterrasse des Restaurants "Na Cihelne", welches übrigens auch eine hervorragende Knoblauchsuppe zu bieten hatte.

Begleitete uns bisher die Sonne, legt sie nachmittags öfter eine Pause ein, um den Wolken den Vortritt zu lassen. In weiten Schleifen drängte sich die Moldau teilweise an dem befestigten Straßenufer entlang, dessen Mauerwerk sie bereits an einigen Stellen arg lädiert hatte. Herausgebrochene Steine, die sich im Wasser wieder fanden, ließen erahnen wie gewaltig sich der Fluss bei Hochwasser durch die Kurven drücken kann. Davon war z. Zt. aber nichts zu spüren.

Der Fluss schleppte sich dem Wehr an der Papierfabrik von Vetrní entgegen, welches mit der längsten Bootsgasse unserer Tour aufwartete. Rasant ging es hinab und knapp zwei Kilometer weiter musste schon das nächste Wehr, das "Konopa ", bezwungen werden. Wurde es auch, bis ein Tandem elegant auf der Kante über die Kante gesetzt werden sollte, dem eine direkte Untersuchung der Strömungsverhältnisse folgte. Damit hatte sich eine weitere Befahrung erledigt, der Rest umtrug. Noch eine lang gezogene Rechtskurve und wir legten am Campingplatz "Nové Spolí" in Ceský Krumlov an.

Di., 15.05.07 Ceský Krumlov – Ein Tag in Tschechiens schönster Stadt
Beinarbeit war gefragt für einen Ausflug in den mittelalterlichen Kern der von der Unesco gekürten Stadt, hinter deren alten Fassaden diverse kleine Läden zum Shoppen und zahlreiche Restaurants zu einem kulinarischen Vergnügen einluden - unserer Tradition nach in die Gaststube der berühmten, historischen Brauerei Eggenberg mit deren regionalen Köstlichkeiten.

Zuvor wurden aber noch die Stadtwehre, die den omegaförmigen Flusslauf um die Altstadt in langsame Bahnen zwingt, einer gründlichen Untersuchung unterzogen. Inspiziert wurde auch das "Mauseloch". Werden hier an der engsten Stelle des Omegas die Boote umtragen, können zwei der Altstadtwehre umgangen werden.

Seit nunmehr acht Jahrhunderten wacht der älteste Teil des mächtigen Burgkomplexes, die Vorburg Latrán, über die Stadt. Mit jedem Jahrhundert wuchs auch die Burganlage bis sie fast die Größe des Pragers Hradschins erreichte. Unvergesslich wird ein Blick von der 100m hohen Mantelbrücke bleiben, durch deren Rundbogenöffnungen sich die Stadt und die Moldau erschlossen. Direkt darunter strömte der Fluss über das letzte Stadtwehr und ließ dieses klein und harmlos erscheinen.

Mi., 16.05.07 Von Ceský Krumlov bis Zlatá Koruna: Premierenfahrt um die Altstadt
Es ging wieder auf's Wasser, die Altstadt wollte umpaddelt werden und zwar vollständig ohne Abkürzung durchs "Mauseloch". Zuvor musste noch das Wehr zwischen Campingplatz und Altstadt überwunden werden, welches von einer überdachten Holzbrücke überspannt wird. Aufgrund der senkrechten, gewellten Stahlwand im Unterwasser treidelten wir die Boote am linken Ufer oder umtrugen rechts.

Das nächste Wehr ("U Liry") wurde links gefahren, wobei die Wellenbildung am Auslauf der Bootsgasse bei Unachtsamkeit für ein schnelles Näherrücken der Ufermauer sorgte. Dafür garantierte die Bootsgasse am nächsten Wehr ("Mrázkuv Mlýn-Beneš)"eine eher unspektakuläre Abfahrt, die jeder meisterte. Schließlich lag das letzte Stadtwehr vor uns. Die Wellen im Auslauf der breiten Bootsgasse lauerten hier regelrecht auf Angriffsmöglichkeiten und fanden auch ihr Opfer. Wie schon einmal, umtrugen auch jetzt wieder diejenigen, die eigentlich noch auf ihren Einsatz warteten.

Unterhalb der Brauerei Eggenberg stießen Karla und Peter wieder zu uns. Bald schon schienen wir die Zivilisation hinter uns zu lassen. Wir tauchten in eine scheinbar unberührte Waldlandschaft ein. Wären hier nicht hin und wieder Skulpturen am Ufer zu sehen gewesen, wofür Steine unterschiedlichster Beschaffenheit und Größe kunstvoll aufeinander geschichtet worden waren. Beeindruckend erstreckte sich sogar eine Steinburg über einige Meter.

Kurvig und flott führte uns die Moldau durch vereinzelte Stromschnellenabschnitte. Wieder verführte ein gerade recht zur Rastzeit auftauchender Imbiss zum Anlanden. Hochbetrieb herrschte am entfachten Feuer, an dessen züngelnden Flammen sich schlotternde Schüler aufwärmten, die sich auf ihrer zum Schulsport gehörigen Kanutour befanden. So wie es aussah, gehörten Wasseruntersuchungen wohl ebenso dazu.

Kurz vor dem Campingplatz "Zlatá Koruna" bewältigten alle noch die Bootsgasse des Wehres "Zlatá Koruna", passierten die letzte Straßenbrücke des Tages und landeten am Campingplatz an.

Do., 17.05.07 Von Zlatá Koruna bis Boršov: Von Stromschnelle zu Stromschnelle
Vor uns lag die interessanteste Tagesetappe der unteren Moldautour. In unregelmäßigen Abständen strömte der Fluss über zahlreiche Stromschnellen unterschiedlicher Länge. Mit der Zeit rund geschliffene Steine, die schon seit Urzeiten das Flussbett bevölkerten, und scharfkantige, vom Felsen abgebrochene Brocken, machten die Kanufahrt attraktiv und erforderten einige Aufmerksamkeit.

Vor den längsten Steinparcouren wand sich die Moldau in einem ausgeprägten Bogen dem Lagerplatz "Divci Kámen" entgegen, der seinen Namen der ca. zwei Kilometer entfernten, auf einem felsigen Ausläufer gelegenen Burg verdankte. Die Mitte des 14. Jh. gegründete Burg war gerade mal 200 Jahre mit Leben erfüllt, bevor sie sich selbst überlassen und damit dem Verfall preisgegeben wurde. Heute ist die ganzjährlich zugängliche Ruine Bestandteil des Naturreservates in dem Landschaftsschutzgebiet "Planský les" (Plansker Wald). Wir beließen es aber während unserer Rast mit einem Blick auf die Mauern. Die Stromschnellen warteten und wollten befahren werden. Schließen lagen die letzten hinter uns. Als auch die Strömungsgeschwindigkeit nachließ, näherten wir uns dem verfallenen Wehr "U Rybu". Noch einmal ging es spritzig hinab.

Wenige Meter stromabwärts hieß es allerdings an der großen, unfahrbaren Anlage des Wehres "Zátkuv": "Aussteigen und Umtragen!". Da die Aussetzstelle in Boršov fast in Reichweite lag, ging es auf zur Bootsjagd! Ein ahnungsloses Opfer wurde auserkoren, sich herangepirscht und in die Zange genommen - Bootskontakt erwünscht! Kaum aus dem Wasser, wurden Erinnerungen an letztes Jahr wach. Es begann es zu schütten.

Fr., 18.05.07 Von Soumarský Most bis Pekna: Entspanntes Paddeln durch die Stille
Unsere Karawane zog weiter Richtung Nationalpark bis zum Lagerplatz Soumarský Most. Eine Tour war noch angesagt. Sie führte uns in vielen Windungen durch die zwischen Wald und Moor wechselnde Landschaft bis Pekna, fast fernab jeglicher Zivilisation. Davon zeugten nur eine niedrige Wegebrücke, die einem bei Hochwasser zum Verhängnis werden kann, sowie die Überführung einer Eisenbahnlinie, eine der wenigen erlaubten Anlandestellen am Ufer der Warmen Moldau, was wir auch für eine kleine Rast nutzen. Hier hätte sich Klaus seinen Wunsch erfüllen können, einmal im Solo zu paddeln. Aber er zog doch lieber das Vertraute vor: Frontmann bei Thomas sein.

So blieb alles beim Alten, als wir durchs Zentrum der Moldau-Au paddelten, dem bedeutendsten Niederungsmoor im Talkessel der Warmen Moldau, die sich an der "Toten Au" ("Mrtvý luv") mit der Kalten Moldau vereint und damit zur Moldau wird, ein idyllischer Platz zum Rasten.

Noch ein paar Windungen und ein querliegender Nadelbaum, deren Äste etwas Geschicklichkeit auf dem Fluß erforderten, schon tauchte die Brücke von Pekna auf. Wir waren am Ziel. Doch vor dem Ausstieg reizte der Schwall unter der Brücke noch für etwas Spielerei, wobei es mancher darauf anlegte, den anderen aus der Welle zu drängen. Doch auch dieser Spaß hatte einmal ein Ende. Die Boote zierten wieder die Autodächer und zurück ging's nach Soumarský Most.

Ein letztes Mal saßen wir noch im Restaurant der "Hospoda Soumarský Most" zusammen, in dem Peter ungeahnte Talente als Bestellkellner entwickelte und Karla hervorragend als Dolmetscherin fungierte.

Sa., 19.05.07 Von Horní Vlatvice bis Soumarský Most: Noch einmal etwas Action
Der Pegel an der Brücke Soumarský Most zeigte 58 cm an. "Grünes Licht" für die Befahrung ab Horní Vlatvice, was wir im letzten Jahr aufgrund des Hochwassers vorsichtshalber ausgelassen hatten. Nun stand unser kleines Grüppchen von acht Paddlern in der 815m hoch gelegenen Gebirgsgemeinde, um sich auf Entdeckungstour bis nach Soumarský Most zu begeben.

Der extrem mäandernde, schmale Flusslauf mit engen 180°-Kurven führte hauptsächlich durch das Waldgebiet des Nationalparks und hielt einige Überraschungen für uns bereit. Zahlreiche Stromschnellen-Abschnitte sowie einige Baumhindernisse erforderten ständige Aufmerksamkeit und mitunter defensives Paddeln. Über manche Kiesbänke rutschten wir mehr oder weniger drüber weg. Für eine bessere Manövrierfähigkeit wäre hier ein wenig mehr Wasser gut gewesen. Diesem Umstand war es sicherlich zuzuschreiben, dass eins der Boote einfach nicht der Flussbiegung folgen und von seiner Besatzung nichts mehr wissen wollte. Oder eine quer liegende Fichte sowie einige im Flußbett verstreut liegende Steine sorgten vor einer Flussteilung für Irritationen, welcher Arm denn nun der besser fahrbare wäre. Zwei Steine gaben sofort dem Bug und Heck des Bootes den nötigen Halt, so dass Zeit für Überlegungen blieb.

Manche quer liegende Bäume waren passierbar, andere sorgten für etwas mehr körperlichen Einsatz in Form von akrobatischen Einlagen oder für einen nassen Ausstieg. Aus dem Boot mussten wir auch am Wehr Záton, welches wir rechts umtrugen und am Wehr Lenora. Da durch dessen Bootsgasse nur wenig Wasser lief, konnten wir hier nur treideln oder rechts umtragen.

Als die letzten Meter vor uns lagen, machte sich ein wenig Wehmut breit. Wieder ging eine schöne Paddeltour zu Ende, auf der es Altbekanntes, aber auch wieder etwas Neues zu entdecken gab. So hieß es nun Abschied nehmen – vielleicht bis zum nächsten Jahr?

von Sylvia Koch

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