Alltweibersommer im Regen – Eine Gemeinschaftsveranstaltung von GOC und SOC ´08

Veröffentlicht: 19. Oktober 2008

Der Tourismusverband Allgäu wirbt:
„…. fließend gelassene Akteure wie die Iller, ihre verschwiegenen Seitentäler als stille Darsteller, sind eine der schönsten Flusslandschaften der Alpen. Weit ist der Blick auf die Bergkette der Allgäuer Alpen und die unverwechselbare reiche Natur des oberen Allgäus.“

Bergkette … Allgäuer Alpen ?? Nix wars! Nix zu sehen !
Nach verbürgten drei Jahren Sonnenschein mußte es ja irgendwann auch mal Regen geben...
Freitag Abend Treffpunkt an der Iller-Staustufe 4 bei Altusried auf der Wiese vom Bauer Hagenmüller. Begrüßung und erste Kontaktaufnahme unterm Regenschirm und in Gummistiefeln. Auch vom SOC sind einige den weiten Weg angereist. Als letzter trudelte der Organisator Thomas gegen 20 Uhr ein. Bis dahin hatten schon alle ihre Zelte, auf der Wiese direkt an der Staustufe 4, im Regen aufgeschlagen.

Am Samstag morgen dann bei der Einsatzstelle in Fischen der erste Tiefschlag: Der Pegel Sonthofen zeigte nur ca. 60 cm - und wir sahen kaum den Bach vor lauter Felsblöcken. Darum sind unsere zehn Boote über die ersten Flachwasserstellen spanabhebend darübergerutscht. Der Tag wurde zu einer wahren Materialschlacht! Manch ein grüner Kanadier hat sich bei der Einfahrt in ein Kehrwasser tiefe Dellen bis in die Schaumstoffschicht zugezogen. Der Wettervorhersage folgend hatten wir auf der heutigenTour nach Martinszell dann Regenschauer und stürmischen Gegenwind, so dass wir sogar um flussabwärts zu kommen zum Teil kräftig paddeln mussten. Die angepriesenen Berge des Allgäu bekamen wir nie zu sehen, da sie in dichtem Nieselnebel eingehüllt waren. Alle hielten dennoch tapfer durch und wir stärkten uns zweimal zwischendurch mit einem zünftigen Vesper auf Kiesbänken. Unbestätigten Berichten zufolge erfolgten diese Vesper in den Jahren zuvor bei strahlendem Sonnenschein und dem oben beworbenen Alpenblick. Das Umtragen beim Naturwehr (Kilometer 136,2) ging gemeinschaftlich gut, da alle mit anpackten und die mitgeführten Bootswagen gute Dienste taten. Der schönste Abschnitt am heutigen Tag war die Illerschleife, ca. 4 km vor Martinszell, mit ihren grünen Waldufern und abseits der Straße waren sie ein angenehmer Kontrast . Dem niedrigen Wasserstand Tribut zollend mussten wir nach der letzten Umtragung (Kilometer 117,8) auch noch ca. 300 m treideln. Die Ausstiegsstelle in Martinszell erwies sich als steile Uferböschung, die wir aber ebenso gemeinsam meisterten – besonderen Dank gilt hier Michael und seinen wasserdichten Mukluks! Während die Fahrer (nur Männer) die Autos aus Fischen holten, standen die anderen (mehrheitlich Frauen) in Regen, Kälte und einsetzender Dämmerung frierend am Straßenrand. Einer weiteren alten Tradition bei Iller-Ausfahrten folgend kamen wir erst in tiefer Dunkelheit wieder in unserem Lager an der Staustufe 4 an. Hungrig und durchgefroren verschwanden alle in ihre Zelte und Autos, bald rauchten die Schornsteine der Kothen. (Die ohne Ofen haben bestimmt gefroren, die Armen.) Die übliche abendliche Versammlung am Lagerfeuer fiel heute aus, da alle rechtschaffen müde waren und nach der abendliche Kalorienzufuhr früh in die Schlafsäcke krochen.

Am Sonntag Morgen weckten uns die Schreie der Wildgänse, die über uns hinweg Richtung Süden, in die Wärme, flogen. Das Thermometer zeigte 6,5 °C, aber der Regen hatte aufgehört! Nachdem alle gemütlich gefrühstückt hatten und mit einem Spaten in den Wald losgezogen waren, ging es los nach Kempten, der Einsatzstelle für diesen Tag. Unsere Schar hatte sich auf sechs Boote verkleinert. Der gestrige Regen hatte auch etwas Gutes, denn dadurch war der Pegel Sonthofen über Nacht auf ca. 80 cm angestiegen, was eine Wohltat für Kanu und Besatzung versprach. Und so wurde es auch eine rundum schöne Sonntagsfahrt: Michael fischte aus dem Ufergebüsch einen Fußball, mit dem dann alle Kanu-Korbball spielten – wie kleine Jungs... ;-) Die Schweizer suchten am Ufer nach Schätzen, sprich „Geo-Caching“, und wurden auch fündig. Und bei der Rast auf einer Kiesbank wurde dann ein kleines Feuerle angezündet, über dem die knackigen Käse-Krainer von Wolfgang gebraten wurden – Danke nochmal! Nach den letzten Kilometern durchs Zahmwasser der Staustufe 4 kamen wir wohlgelaunt im Lager an.
Niemand war an den zwei Tagen ins kalte Wasser gefallen! Unser Organisator Thomas kümmerte sich erneut um unser leibliches Wohl, nachdem er schon gestern Morgen gegen acht Uhr in jedem Zelt fragte: „Brötchen? Brot?“, und brachte leckeren Kuchen aus der Konditorei mit, hmmmm! Der wurde dann beim abschließenden Kaffeeklatsch verspeist, eh alle ihre Zelte abbauten und nach einem prallvollen Wochenende die Heimreise antraten.

Unser Resümee? Der Samstag war mit 36 km, Regen und starkem Gegenwind eine Herausforderung an die Expeditionsteilnehmer. (Die Schweizer bevorzugen eh lieber Etappen von ca. 20 km, so dass noch genügend Zeit fürs Lagerleben bleibt. Was auch etwas für sich hat.) Aber der Sonntag versöhnte uns dann wieder mit allem: Entspannte 17 km, kein Regen und ausgelassener Spaß, so dass wir zufrieden heimfuhren. Hab vielen, vielen Dank, Thomas! (nur an dem Wasserstand und dem Wetter musst du für 2009 noch etwas arbeiten)

von Anke und Uwe

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