Wildwasserkurs 2erCanadier ´09

Veröffentlicht: 26. Juni 2009

Wildwasserkurs 2er Canadier C – 2 im Juni 2009 bei Georg Petz und Ralf Schönfeld

Alle paar Jahre packt Robert und mich der Wunsch, ein paar Wochen miteinander in einsamer Wildnis auf einem Fluss ins Blaue zu paddeln. Nachdem wir in diesem Jahr verhältnismäßig wenig Genaues über den gewählten Fluss, den Wind River im Yukon Territory, erfahren können, wollen wir vorher unsere Paddelkünste aufpolieren und das Zusammenspiel der beiden Individuen, die da in gleichen Boot sitzen, verbessern.

Georg Petz rät uns halben Autodidakten mit eingeschlichenen Fehlern, ganz vorne mit Anfänger- und Aufbaukurs zu beginnen, da er – nicht ganz unberechtigt – der Meinung ist, dass Umlernen genau so lange dauert, wie neu lernen. Nach den beiden ersten Kursen im April wagen wir uns im Juni auf den Lech für den Wildwasserkurs im Vertrauen auf Georgs Bereitschaft, auf die individuellen Fähigkeiten einzugehen. Um ein paar Eindrücke zu schnuppern, besorgten wir uns seine Lech-DVD. Beim Anschauen war uns das „Herz ganz schön in die Hose“ gerutscht.

Wir kommen am Vorabend von Fronleichnam als Erste in Häselgehr auf „Rudis“ Campingplatz von Volker Riedmann an. Der nette Campingplatz wird sich während des langen Wochenendes zunehmend mit Kajakern und Kanadierfahrern füllen. Am nächsten Morgen steht schon früh Georgs VW Bus vor der Einfahrtsschranke und die vier anderen Teilnehmer sind spät in der Nacht angekommen: Manuela und Herbert Kraus aus der Würzburger Gegend übernachten im Camper, Susanne Seigel und Martin Pleick aus der Nähe von Pforzheim schlafen im Zelt. Birgit und Robert aus München – ja, wir schämen uns ja schon! - haben sich von der Campingplatzwirtin ein preiswertes Zimmer unterm Dach mit Balkon gemietet. Georg meinte schlicht „wir wären eben noch nicht so ganz beim GOC angekommen“.
Es ist trüb und regnerisch. Deshalb beschließen unsere beiden Lehrer in Georgs ofenbeheiztem Wigwam bei frischem Frühstückskaffee, heute den Fronleichnamsumzugsstau zu meiden und ab Campingplatz flussabwärts zu paddeln. Beim Check der Boote und Ausrüstungen auf dem Platz wird freigiebig guter Rat gegeben. Gut für uns ist, dass Ralf unser neues 17 Fuß - PakCanoe gut kennt und uns einige gute Tipps mit auf den Weg geben kann.

Dick verpackt in Neopren-Longjohns und martialischen Helmen tragen wir die Boote zu Wasser und üben zuerst mal Seilfähre und Ein- und Ausfädeln ins Kehrwasser direkt vor dem Platz. Dabei werden unsere Übungen fachkundig beobachtet und kommentiert von einigen der inzwischen zum Wochenende angereisten Paddler. Der erste Tag wird dann, wie die beiden anderen Tage auch, ein Tag der höheren Wellen, der recht wuchtigen Schwälle, Pilze und vereinzelter felsverkleideter Bäume. In der Gruppe gibt es zwei Kenterungen, am zweiten Tag kentert jeder einmal und am dritten Tag schafft es noch mal ein Team. Siegfried und Manfred, die uns am dritten Tag begleiten, bieten mit ihrem Luftboot Mitfahrgelegenheit für bootlose Paddler! Wir geben Ralf und Georg reichlich Gelegenheit, Retten und Bergen zu üben und die Zielgenauigkeit im Wurfsackwerfen zu perfektionieren. Und wir üben Treiben im – geschätzt 8° kalten - tiefen Wasser und auch im Flachwasser bei lebhafter Strömung. Hier bewähren sich die Helme, die Neos und die Schwimmwesten. Der eine oder andere blaue Fleck an Schienbein oder Handrücken lehrt uns Respekt vor der großen Wucht fließenden Wassers! Trotzdem kriegt Manuela am zweiten Tag beim Schwimmen einen Lachkoller. Diese Freude will ihr Herbert am nächsten Tag noch mal machen. Dabei gelingt den Beiden dann der Beweis, dass ein Boot auch im 20cm tiefen Wasser kentern kann... An einer besonders verblockten Stelle paddeln Ralf und Georg zwei unserer Boote durch den schwierigsten Teil der Strecke, um uns das Umtragen zu ersparen. Susanne und Martin wagen den Trip und schaffen die Stelle mit Bravour.

Die Weglänge an Tag 2 und Tag 3 können wir übrigens individuell länger oder kürzer wählen. An der halben oder 2/3 Strecke steht ein Auto bereit, falls jemand den Paddeltag früher beenden will.

Georg hat die Gabe, Korrekturen sehr diplomatisch, pädagogisch geschickt und ohne zu verletzen rüber zu bringen. Freilich muss Georg auch die Stimme heben und kurze Ausdrücke benutzen. Dies geschieht nicht, um uns zu beschimpfen, sondern um gegen das laute Rauschen des Wassers anzukommen:
„Power! Power!“
„Vorwärts! Vorwärts und – hohe Stütze, KANTEN!!!“
„Da musch dich weiter raushängen lassen! Halt doch das Paddel tiefer rein!!
„Füüühren! Ziehschlag!“ – „Mensch, du ziehsch doch net!!
„Und rüber! RÜBER!! Tiefer rein!!!
Grundschlag! Raus!!“
„Mensch, wollt ihr mit DEM Tempo aus DEM Winkel an der Kiesbank anlegen???!“
„Kanten! Kanten! Jawoll!!“
Wir können Georg versichern, seine Rufe sind angekommen!

Ralf unterstützt leise und zurückhaltend, aber aufmerksam und einfühlsam mit sparsamen Hinweisen und ergänzt manchmal Georgs Erklärungen mit eigenen Worten aus anderer Perspektive. An Stellen - besonders am dritten Tag - an denen es wichtig ist, dass wirklich jeder sicher ins Kehrwasser kommt, stürzt er sich frühzeitig ins Getümmel und zieht die Boote mit eigener Muskelkraft in Sicherheit.

Das Team der Teilnehmer harmoniert trotz der Anstrengungen sehr gut, es ist ein entspanntes und lustiges Miteinander, auch guter Rat und gegenseitige Unterstützung und Ermutigung kommt im passenden Moment und ist herzlich willkommen.

Beim Picknick auf Kiesbänken werden Landjäger, harte Eier, Knusperwaffeln und Snickers vertilgt. Die Sonne meint es von Tag zu Tag besser mit uns. Das eine oder andere Sonnenbad lässt sich tagsüber einbauen, vorsichtshalber behält Georg das Halstuch aber immer an!

Spaß machten auch die gemeinsamen Frühstücke und Abendmahlzeiten. Allerlei Kochwein und Kenterwasser aus Birnen oder Zwetschgen macht als „Treibstoff für die Seele“ im schmalhalsigen Fläschchen, im dicken lila Flachmann oder in der fränkischen Literflasche die Runde. Mit Ralfs besonderer Unterstützung vertilgten wir eine Tonne Nudeln – in Tomatensauce mit Köttbullar oder mit Gulasch. Am nächsten Morgen mit Eiern gebraten, oder direkt aus dem Topf ohne Zugabe und in Form von Manuelas gigantisch leckerem Nudelsalat (ohne Gurken!) am letzten Tag. Manuela und Georg brieten am „Doppelzylinder“ - zwei Petz-Öfen mit T-Stück an den Zeltkamin angeschlossen - auf zwei Herdplatten zuerst einen Berg Kartoffeln und dann dünne Scheiben von Fleischkäsebrät kross und Georg produzierte einen winzigen Berg frischer köstlicher Crepes. Winzig blieb der Berg, der fürs nächste Frühstück geplant war deshalb, weil wir die Dinger, belegt mit Schokocreme oder Himbeergsälz oder mit Zucker bestreut oder mit gar nichts, von uns immer gleich weggefangen und ratzeputz vertilgt werden. Deshalb gab es zum Frühstück außer Kaffee aus der alten großen Patent-Kaffeekanne nur angestochene und gewendete Spiegeleier, frische Ananas, Weckle mit Schinken oder Käse und Bauernbrot mit Gsälz. Wir werden jedenfalls einen von Georgs Öfen mit in den Yukon nehmen!

Wir haben viel von Georg und Ralf gelernt. Die Intensivbetreuung brachte eine deutliche Vertiefung der Manöver aus Grund- und Aufbaukurs. Herzlichen Dank an die Beiden und an die ganze Paddelgruppe. Robert und ich werden in der nächsten Woche mit besserem Handwerkszeug in den Yukon starten.

Birgit

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