Open Canoe Slalom ´09

Veröffentlicht: 01. Juli 2009

Am Freitag ist Anreisetag. Nach mehrstündiger Fahrt beginnt nun erst mal die Suche nach dem Campingplatz. Der erste Versuch endete am Rande eines Seitenarms der Donau, zwar an der richtigen vom Navi angebenden Adresse doch leider beim falschen Vereinshaus. Ein netter Einheimischer leitet uns jedoch zum richtigen Ufer, erst über die Brücke und auf der Brücke dann irgendwo rechts rein. Dank der schummrigen Ortskunde meines Vaters, der hier schon mal irgendwann war, schaff ich grad noch die Ausfahrt bzw. den Feldweg zu erwischen, der uns nach ein paar verschlungenen Kurven zum Ziel bringt. Ein idyllischer Campingplatz, mit Vereinshaus, Lage direkt zwischen der Mündung Günz-Donau. Wir sind jedoch nicht die einzigen die der „eindeutigen“ Wegbeschreibung nicht folgen konnten, was einen doch gleich im Zeitalter von GPS und Navigation beruhigt.
Anschließendes Zelte aufbauen, einrichten und begrüßen verläuft in gewohnter Routine ab.
Natürlich muss ich mir die morgige Wettkampfstrecke(Die letzen ca. 300 Meter der Günz) noch schnell ansehen, bevor man in der einbre-chenden Dunkelheit überhaupt nichts mehr sieht. Ergebnis der Besichtigung ist, ausreichend Wasser, viele schöne Kehrwasser, anfangs eine mittlere Walze und am Ende eine GROßE Walze, die viel Wasseraufnahme verspricht. Das Rauschen des Wassers lässt sich sogar durch den kleinen Waldgrünstreifen zwischen Platz und Strecke noch vernehmen.
Der Abend wird gemütlich und noch in relativ kleiner Runde, dies sich Abends noch mal vergrößert, am Lagerfeuer abgerundet.
WETTKAMPFTAG
In der Luft liegt freudige Aufregung und allgemein fröhliche Wett-kampfstimmung. Ebenfalls in der Luft liegt: Regen. Schon in der Nacht hat es angefangen wie aus Eimer zu schütten und die graue Wolkendecke über uns sieht nicht so aus als ob sie sich in nächster Zeit auflöst. Einige (Vor)Zelte haben mit nächtlichem Wassereinbruch zu kämpfen gehabt. Neue Ankömmlinge sind auf dem Zeltplatz eingetroffen und richten sich ein. Der regenreiche Morgen wird wie geplant zum Training genutzt, wobei meine Familie es vorzieht eine kleine Shopping Tour zum SüdwestVerlag zu riskieren.
Wieder zurück geht’s so schnell wie möglich in die Neo´s und gleich zum Training. Der nächtliche Regen hat dafür gesorgt das die Günz und auch die Donau beträchtlich an Wasser gewonnen haben. Die Kehrwässer sind so gut wie verschwunden, Steine erkennt man nur noch an den Wellen die das Wasser über sie schlägt. Toll. Auch die Walzen sehen jetzt ein bisschen gefährlicher aus, wobei das die Teilnehmer nicht mutlos verzagen lässt. Zwei Probeläufe müssen genügen, dann steht auch schon die Einweisung durch Ideenträger und Ausrichter Siggi (Siegfried Freund) an. Man wird förmlich Begrüßt und der Spaß-charakter der Veranstaltung wird noch mal hervorgerufen, Fragen geklärt was das Umfahren der Stange an geht (grün gestreifte von oben anfahren, rot gestreifte von unten) und welche Fehler man angerech-net bekommt (Berühren der Tore: 2 Strafsekunden; Tor auslassen: 50 Strafsekunden). Richtig offiziell wird’s dann beim Verteilen der Startnummer, richtige Umhängenummer-überwürfe wie bei z. B. der Olympiade. Staunen kommt spätesten dann auf wenn man die Zeitmessung (ja richtig gelesen) sieht, zwar nicht hochmodern aber dennoch würdig ihres Amtes. Je am Anfang und am Ende zwei Stangen durch die man hindurch muss um seine Messung aufzuzeichnen. Der Regen bleibt den ganzen Tag über unser ständiger Begleiter, was zwar lästig ist, wenn das Wasser durch den Helm tropft, aber nicht ernsthaft stört. Der Wettkampf beginnt, alle Amateurkameras sind Aufnahme bereit, die Fotoapparate gezückt, und los geht’s! Da mancher Doppelt antritt, ist das Verladen der Kanus auf den Bootswägen und der ständige Transfer wohl das mitunter anstrengendste an diesem Tag. Beim Umtragen kann man schließlich den ein oder anderen Blick auf die „Konkurrenz“ wagen, schaut alles sehr gut aus. Die teilweise recht brutallen Zieleinläufe sind schon was fürs Auge. Die Begrüßung von Neuankömmlingen wird auch mal eben schnell im Wettkampffieber abgehandelt. Zu Kenterungen kommt es zwar auch aber diese werden gelassen hingenommen. Nach zwei Durchläufen, von denen jeweils nur der Beste gewertet wird, ist fast jeder erschöpft dennoch froh und vllt auch ein bisschen stolz über seine Leistung. Ehrgeiz und Spaß prägen den Tag. Nach getaner Arbeit tut die heiße Dusche gut. Der Gastverein hat sich für uns mächtig ins Zeug gelegt und eine kleiner Kaffee und Kuchen Imbiss steht bereit, auch sonst sind alle sehr Gastfreundlich und umsorgen uns richtig gut. Der Ausblick auf etwas Gegrilltes am Abend, welches durch den Vorstand organisiert wurde, sorgt für allgemeines Faulenzen in der doch jetzt erschienenen Sonne. Pünktlich zum Grillen beginnt es jedoch wieder zu Regnen, und wie! Aber was ist schon das bisschen Niederschlag für echte GOCler, es wird ein passables Grillfeuer entfacht, das durch Sonnenschirm geschützt bis zum Ende von Steak und Bratwürsten seinen Dienst erfüllt. Der Transfer von Grillgut zum Endverbraucher ist regenbedingt eine schnelles Hin und her Rennen von einem trockenen Plätzchen zum anderen.
Die Ergebnisse werden schließlich verlautet. Jedoch nicht bevor der Vorstand das Geld eingesackt hat, sowohl für den Campingplatzt als auch die geringe Startgebühr. Ein Tisch mit Preisen und Pokalen steht bereit, darauf zu sehen unter anderem hochwertige Paddel und gesponserter Kanubedarf. Die Pokale sind eigens verziert mit den Goldschmiedehänden von Andrea Remmele, die eine paar schöne Kanufahrer gezaubert hat. Die Preisverleihung verläuft problemlos ab, natürlich zeigt sich hier wer die meiste Erfahrung hat, dennoch großen Applaus auch für die, doch recht vielen, Neulinge im Wildwasser, welche sich wirklich alle hervorragend geschlagen haben.
Eine Regenpause wird genutzt um ein paar spektakuläre Videos im Freien (mit Beamer an die Vereinshauswand projiziert und von Holger Greiner-Petter vorgeführt)zu bestaunt, die einem zeigen: Besser geht’s immer! Danach verzieht sich die Meute wieder unter die aufgebauten Pavillons und lässt den Abend gemütlich ausklingen.
Am nächsten Tag, wird das Wetter besser, die Sonne scheint, der hohe Wasserstand bleibt. Einige machen einen Paddelausflug in die Umgebung während die Wildwasserfans die Neo´s noch mal auspacken und sich in die Fluten stürzen. Die ungekürten Profis die am Vortag nicht am Wettbewerb teilgenommen haben zeigen nun, was wir am Vora-bend nur auf der Leinwand bestaunen konnten. Vor allem die Jugend probiert fleißig an der oberen Walze das perfekte Surfen, mit guten Erfolg. Natürlich blieb da die ein oder andere Kenterung nicht aus, doch zum Glück stand ein Retter mit Wurfsack gleich unterhalb der Stelle und angelte fleißig nacheinander alle Fischlein wieder raus. Es gab viel Arbeit und manchmal zu wenig Wurfsäcke. Ein kleines Beispiel: mein eigenes Bemühen das Surfen zu erlangen, endetet in 95 % der Fälle mit einem Bad, was ich natürlich nur auf die drei unterschiedlichen Bootstypen, die ich dabei getestet habe, schiebe! Ein geplanter Surfwettbewerb um einen Trostpreis(einen Wurfsack) loszuwerden, wurde schließlich vor lauter Surfbegeisterung vergessen und schließlich an den Dauer-im-Einsatz-Retter vergeben, der sogar Blasen an den Händen aufzuweisen hat.
Am Nachmittag und bei strahlendem Sonnenschein ist der Campingplatz fast wieder leer, während ich im/aufm Wasser war, sorgt der Rest der Familie für den Abbau und ich darf mich nur noch Duschen und ins gepackte Auto setzten, bevor dieses wunderschöne Wochenende langsam zu Ende geht. Das Surfen hab ich schon so verinnerlicht ,dass mir das leichte Vibrieren des Autos auf der Autobahn in meinem erschöpften Nachmittagsschläfchen wie das Reiten in der Perfekten Welle vorkommt.

von Eva Helfrich

  • Die erste Walze, 2ter Tag
  • Große Schlusswalze am 2. Tag
  • da weiß man wofür die auftriebskörper sind
  • wo ist das Kanu, ja wo is es denn
  • Wuuuusch ^^

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