Ostereiersuchfahrt auf der Semois ´09

Veröffentlicht: 07. Januar 2010

Ostern an und auf der Semios

Es war unsere erste Tour mit dem G-O-C. Michael Schaz-Kunze - der Fahrtenleiter - hatte irgendwie mitbekommen, dass ich im Open-Canoe-Journal auf der Suche nach einer familienkompatiblen Canoe-Tour war und uns zur Oster-Fahrt des G-O-C an die Semois eingeladen. Die Aussicht auf Paddeln in einer uns völlig unbekannten, aber von Bildern her sehr schönen Gegend, mit vielen Gleichgesinnten, ließ die stundenlange Anfahrt in den Hintergrund treten.
Nach 9 Stunden Autofahrt kamen wir gegen 15.00 Uhr ziemlich geschafft auf dem Campingplatz Maka an. Der Standplatz der Gruppe war nicht zu übersehen, eine ganze Batterie Tipis bzw. Lavus
direkt am Flussufer, das konnten nur G-O-C-ler sein. Michael gab sich recht schnell zu erkennen und nach einer kurzen Runde durchs „Lager“, zur Begrüßung, war Quartiermachen angesagt. Tim war gleich verschwunden, es gab ja schließlich eine ganze Horde Kinder kennenzulernen. Da diese überwiegend beim Holzsammeln fürs Feuer waren, hat er seinen Beitrag halt durch Holzholen und -hacken geleistet.
Abends flackerten dann etliche Lagerfeuer vor den Zelten und von dem vor Michaels Tipi stiegen schon bald leckere Düfte auf – die erste Dutch-oven-geborene Schlammechse erblickte das Dunkel der Nacht um gleich darauf, ihr, ach so kurzes, Dasein in den Mägen der OC-Fahrer zu beenden.
Der Samstagmorgen begann, wie bei Tipi-bewohnenden OC-lern üblich, mit dem Anheizen der Zeltöfen. Nach einem gemütlichen Frühstück kam langsam Leben auf, die erste Ausfahrt stand an. Also Boote auf und den Paddelkram in die Autos geladen und los ging es nach Bouillon. Abladen, Autos umsetzen – es dauerte noch eine gute Stunde bis wir endlich die Boote zu Wasser lassen konnten. Die Semois – recht gut gefüllt – trug uns flott dem ersten Teilziel entgegen. Faszinierend fand ich die langen, in der Strömung leicht schwingenden Wasserpflanzen, die einen an eine überspülte Wiese denken lassen. Derartiges hatten wir bis dato nicht gesehen.
Am Rastplatz sprang mir dann ein Detail , welches doch etwas Verbindendes hatte, förmlich ins Auge. Eine solche Anzahl an NC-Prospectoren sieht man sonst wohl nur im Großhandelslager.
Nach einer kleinen Stärkung ging es wieder aufs Wasser und bis auf eine kleine Unterbrechung, infolge der Kenterung eines Bootes, war der weitere Verlauf der Fahrt recht entspannt.
In Poupehan war dann für diesen Tag Schluss. Da jeder mit anpackte, waren die Boote und Sachen schnell aufgeladen und es ging zurück nach Maka.
Der Nachmittag war mit lagertypischen Aktionen, wie Brennholz organisieren, Fachsimpeln, Material anschauen , Anregungen holen und Essen kochen angefüllt. Diesmal fanden sich alle an einem Lagerfeuer zusammen, wo dann bis spät in die Nacht erzählt und gelacht wurde.
Am Ostersonntag waren die Kinder kribbelig und ein wenig aufgeregt. Zu Recht , ging doch das Gerücht, der Osterhase sei auf einer Insel unterhalb des Campingplatzes gesichtet worden. Erstmal wurde aber in Ruhe gefrühstückt und dann wurden ein paar Autos nach Noirefontaine umgesetzt, es sollte ja direkt vom Platz losgehen. Von der nun folgenden Aktion fühlte ich mich ein wenig an eine Szene aus dem Film „Matrix“ erinnert: „Follow the white rabbit“, nur dass unseres ein Hase, dieser rot war und im Heck von Michaels Boot saß.
An der Insel angekommen, genossen wir, nach dem Aussteigen, erst einmal den Anblick. Alles voller Osterglocken, es war einfach nur schön. Dann ging es natürlich ans Suchen, es war für jedes Kind etwas versteckt worden und selbst die Erwachsenen gingen nicht völlig leer aus. Irgendwann war alles, was nicht dort hingehörte, wieder eingesammelt und es ging weiter. An einer Kanu-Ausleihstation, die allerdings so früh im Jahr noch in der Winterstarre verharrte, machten wir Rast. Gut gestärkt und gelaunt nahmen wir den Rest der Strecke in Angriff. Unterwegs lud ein kleiner Schwall zum Spielen und Surfen ein. Am Ziel in Noirefontaine war dann auch schon die Zeit für ein letztes Gruppenfoto gekommen, denn Montag wollten die ersten bzw. der überwiegende Teil den Heimweg antreten. Unsere traditionelle Abendbeschäftigung brauche ich vermutlich nicht näher zu erläutern.
Montag war schon zeitig geschäftiges Treiben am Platz. Zelte trocknen und abbauen, die Autos so beladen, dass auch die Mitfahrer noch genügend Raum haben, ein letzter gemeinsamer Kaffee – es verging doch einige Zeit bis die ersten gen Heimat aufbrachen. Es war schon früher Nachmittag als die letzte Hand geschüttelt und der letzte Gruß getauscht war. In solch dezimierter Gruppenstärke kam auch keine gemeinsame Paddeltour mehr zustande. Um nicht völlig einzurosten, habe ich mir den Solo von Michael ausgeborgt und bin allein die Strecke Poupehan bis Maka gepaddelt.
Dienstag früh wollte ich meine Familie nicht stören und noch eine Weile schlafen lassen. Aus diesem Grund entschied ich mich, das Kleinholz zum Anzünden des Ofens, mit dem Messer vorzubereiten. Ganz großer Fehler – fünf Minuten später waren die Beiden hellwach, denn ich war mit dem Messer abgerutscht und konnte nun wunderbar das Innenleben meines linken Zeigefingers begutachten. Kurze Zeit später war ich dann mit Uli unterwegs zum Arzt, vielen Dank nochmal an dieser Stelle – ohne sie hätte ich, mit meinen nicht vorhandenen Französisch-Kenntnissen, ziemlich alt ausgesehen. Für mich war der Tag gelaufen, im Krankenhaus musste die Wunde genäht werden und irgendwann am späten Nachmittag holte mich Uli ab.
Da ich soweit versorgt war, nutzten die Anderen die Zeit und besichtigten die Burg in Bouillon.
An Paddeln war nun nicht mehr zu denken, so haben wir am Mittwoch Michaels neuestes Steckenpferd ausprobiert – Geocaching – eine moderne Art der Schnipseljagd. Ich hatte zwar schon drüber gelesen, aber an sich war es für uns auch neu und sehr interessant.
Donnerstag war dann auch für uns der Tag der Abreise gekommen, jetzt war ich mit dem sinnvollen Verstauen unseres ganzen Gerödels im Auto beschäftigt, was durch die verletzte Hand nicht unbedingt erleichtert wurde. Aber irgendwann war auch das geschafft und wir machten uns auf den langen Weg nach Hause, natürlich nicht ohne einen herzlichen Abschied von Michael, Uli und ihren beiden Kindern.
Es war ein ereignisreiches und schönes Osterfest für uns. Vielen Dank nochmal und ich denke es war nicht die letzte Tour, an der wir teilgenommen haben.

René Seipold

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