Tandem Grundkurs 2011

Veröffentlicht: 24. Juli 2011

Tandem – Grundkurs 9.–10.7.2011

So, am 9.7. war es endlich soweit. Wir waren unterwegs zu unserem Tandem-Grundkurs auf der Enz, abgehalten von Georg Petz. Seinem Engagement war es auch zu verdanken, dass es damit geklappt hat. Wieder und wieder hat er uns mit Terminmöglichkeiten bombardiert, bis wir endlich ein freies Wochenende gefunden hatten.

Mit Kanu auf dem Autodach und Wohnwagen am Haken hatten wir uns frühmorgens Richtung Enzweihingen aufgemacht. Ja, mit Wohnwagen. Ich hatte Georg extra noch deswegen gefragt. Dachte ich doch bisher, die GOC-ler lassen nur Leute in ihrer Mitte weilen, die ebenfalls im Tipi hausen und dort um ihren selbstgebauten Ofen hocken. Georg macht das ganz geschickt: hausen dürfen seine Schüler wie sie möchten, als Gemeinschaftsunterkunft stellt er dann aber sein Tipi nebst Ofen zur Verfügung. So lernt man neben Paddeln an diesem Wochenende auch noch etwas über Wohnkultur. Vielleicht kommt dadurch der Ein oder Andere auf den Geschmack.

Als wir dann um 9 Uhr am Lagerplatz ankommen, sehen wir auch gleich das Tipi. Obwohl es bereits gefühlte 30° im Schatten hat, raucht der Schornstein des Tipis. Der Grund wird schnell klar. Georg hat auf seinem Ofen Kaffee gekocht. Dies zieht sich auch wie ein roter Faden durch das ganze Wochenende. Georg sorgt neben vielen anderen Dingen stets auch für Kaffee.

Der Wohnwagen war schnell aufgestellt und schon kamen unsere Kommilitonen an. Günther mit seinem Sohn Marc, die von Georg ein Kanu zum Üben leihen (einen Old Town Trip) und Barbara mit Martina, die ihren Grabner Adventure mitbrachten. Georg hatte außerdem noch einen 16‘ Nova Craft Prospektor mitgebracht und wir unseren 15‘ Bell Yellowstone. So hatten wir eine bunte Mischung an Booten und konnten deren Vorzüge anschaulich nachvollziehen. Denn auch das gehörte zum Kurs: Bootskunde. Sitze und deren Position wurden genauso besprochen, wie Kielsprung und Bootsmaterialien. Als Nächstes waren die Paddel dran. Jeder brachte, was er hatte und Georg öffnete noch seine Schatzkiste. Dazu besprachen wir die Möglichkeiten um die passende Paddellänge zu ermitteln ebenso wie die vielen verschiedenen Paddelformen und –materialien. Zu guter letzt wurde noch die Schwimmweste abgehandelt, worauf man achten soll und wie man sie optimieren kann, falls nötig.

Das war nun schon recht viel Theorie, aber Georg brachte alles unablässig redend so locker rüber, dass es nie langweilig wurde. Es ging dann auch noch theoretisch weiter, jedoch mit mehr Praxisbezug.
Ich hatte mich schon die ganze Zeit gewundert, was da für Gerümpel im Schatten der Bäume liegt und was für komische Bögen an einem der Kanus befestigt sind. Nun wurde es klar: ein Simulator! Das Kanu mit den angeschnallten Bögen wurde auf ein Gestell mit Rollen gelegt und fertig war der Kanusimulator. Nachdem Georg Jedem noch Knieschoner verpasst hatte, übten wir das richtige Einsteigen, Knieschoner zurechtrücken, Kanten, Paddelführung und Stützen. Einfach perfekt. In aller Ruhe konnte man Feinheiten korrigieren. Ruhe? Mit Simulator war das Kanu kippliger als auf dem Wasser.

Nach einer kurzen Kaffee-/Vesperpause ging es aufs Wasser. Vorerst nur mit einem Boot. Weil die beiden Positionen Bug- und Heckpaddler einzeln geschult werden, nahm Georg die jeweils freie Position ein und setzte sich zudem verkehrt herum ins Boot, um seine Schüler besser sehen und korrigieren zu können. Nachdem jeder wusste, worauf es ankam, holten wir die restlichen Boote und paddelten ein Stück stromaufwärts. Stromaufwärts? Ja, weil man da schneller merkt, ob man alles richtig macht. Ansonsten würde man nicht am vereinbarten Punkt ankommen.

Wir übten dann an einer etwas stärker strömenden Stelle die Seilfähre vorwärts und unsere vier Schläge (Grundschlag, Führen, Ziehschlag, Hebel). Laut schallten Georgs Kommandos übers Wasser. Was will er denn jetzt? Ach so, er meint ja gar nicht uns.

Am Ende des Tages waren wir ziemlich geplättet und freuten uns auf das Essen in der Gaststätte. Später saßen wir dann noch gemütlich an unserem Biwakplatz und genossen ein Verdauungsschnäpschen nach dem Anderen. Noch viel später erst kam Georg dazu, den Ofen anzuheizen und seine Socken zu trocknen.

Als wir am nächsten Morgen gut ausgeruht um 8 Uhr aufstanden, hatte Georg natürlich schon längst Kaffee gekocht. Beim Frühstück wurde noch einmal kurz das am Vortag Erlernte besprochen. Danach brachen wir auf, um zwei Fahrzeuge in Oberriexingen abzustellen. Nun sollte es auf große Fahrt gehen. Anfangs paddelten wir jedoch erst noch einmal die bekannte Strecke stromaufwärts um noch einmal zu üben. An der etwas stärker strömenden Stelle sollten wir im Kreis fahren. Grundschlag, ziehen, hebeln, führen, Grundschlag rückwärts, irgendwie wurde es bei uns immer ein Ei, denn ein Kreis. Klammheimlich hatte ich meine Frau in Verdacht, dass sie im entscheidenden Moment nicht für genug Vorschub sorgt und ich mich hinten abrackern muss. Das glaubte ich so lange, bis Georg längsseits kam und sagte: “Bei euch sitzt das Manko hinten. Lass mich mal da vorne sitzen, das müssen wir noch einmal üben.“ Boah, das hat gesessen. Ich das Manko? Das kann ja schon mal gar nicht sein. Habe ich doch so viele Fachbücher gelesen, Videos angesehen. Paddelschläge wie „J“-Schlag, Messer-„J“ und Indianer-Schlag mit meinem schönen Beavertail-Paddel geübt. Jedoch alles solo. Jetzt kommt einer und sagt, ich bin das Manko im Tandem. Das trifft hart, aber unser gepaddeltes Ei ist der Beweis. Wieder und wieder kreiselte ich mit Georg im Bug, bis ich meinen Job etwas besser machte. Nun waren wir alle fit für die Fahrt nach Oberriexingen.

Am ersten größeren Schwall wurde langsam herangefahren und die Ideallinie besprochen. Gleich dahinter gab es ein Kehrwasser, wo wir uns wieder sammeln sollten. Wir fuhren als Letzte den Schwall und bemerkten, dass ein noch so großes Kehrwasser ganz schön eng werden kann, wenn bereits drei Boote drin sind und man im letzten Moment unsicher wird, ob das Manöver noch glückt. Dank Georgs knappen aber treffenden Kommandos hat es dann aber doch noch geklappt. An diesem Schwall konnten wir dann auch gut Seilfähre vorwärts und Ein- bzw. Ausfahrt aus dem Kehrwasser üben. Nachdem Jeder etliche Male die verschiedenen Manöver geübt hatte, ging es weiter zur nächsten Übungsstelle, dem Brückenschwall.

Hier die gleiche Vorgehensweise wie beim Schwall zuvor. Kontrolliertes Anfahren und gleich dahinter ins Kehrwasser. Nachdem uns Georg einen kleinen Ausblick auf den Aufbaukurs demonstriert hatte, durfte jedes Team noch am und im Schwall üben.Unbemerkt war die Zeit verstrichen. Der Hunger quälte, war es doch inzwischen 16 Uhr geworden und die Mittagspause ausgefallen. Da half auch die kurze Rast am sandigen Ufer nichts, denn zum Essen wollten wir ursprünglich wieder am Lagerplatz sein und hatten nichts mitgenommen. Also schnell wieder in die Boote, was auch gut war, denn schwarze Wolken kündigten schon ein nahendes Gewitter an. Wir waren bereits im Rückstau des Oberriexinger Wehres und mussten kräftig bis zur Ausstiegstelle paddeln. Schnell verluden wir die Boote und eilten zum Lagerplatz zurück, um noch ein paar Dinge trocken einpacken zu können. Georg sorgte wieder für den obligatorischen Kaffee und wir setzten uns ins Tipi. Leider war auch dieser Tag viel zu schnell vergangen. Wir hätten noch endlos weiter plaudern, planen und überlegen können, aber jeder musste ja auch wieder nach Hause.

So trennten wir uns um ca. 18 Uhr nach einem erlebnisreichen Wochenende mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen. Selbst für meine Frau und mich war dieser Grundkurs nicht verkehrt. Obwohl wir schon einige Jahre Kanu fahren und unsere Kinder vom Krabbelalter bis zum Teenager im Kanu ohne Kenterung diverse Flüsse hinuntergebracht haben, haben wir Einiges gelernt, um weiterhin in Harmonie besser zu paddeln.

Stefan

P.S. auch beim Berichte schreiben muß ich noch dazulernen. Meine wenigen Bilder sind in der Kategorie "Bilder" zu finden. Ich wusste nicht, daß ich sie hier auch einfügen kann.

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