Isarrauschen 2011

Veröffentlicht: 06. Oktober 2011

Herbert bot die diesjährige Isarausfahrt vom 02.06. bis zum 05.06.an. Dank der Möglichkeit mit vier Tagen zu spielen, formte sich die Gruppenfindung fließend mit Ankünften von Mittwochabend bis Donnerstagmittag und Wolfgang packte bereits am Freitag sein Zelt wieder ein, da andere Feste riefen…
Zu unserem ersten Paddeltag sah es noch etwas trübe aus und nieselte teilweise. So wählten wir zur Einstimmung den kurzen Abschnitt von Bad Tölz bis Einöd an unser Lager. Doch ein paar kleine Schwellen lockten auch an diesem Stück und wunderschöne Naturformen, mit glatt geformten Kalkwänden, Wasserspiele regen meine Fantasien an, welche Wesen wohl diese Wasserrutsche nutzen?
Da wir schon am frühen Nachmittag wieder im Lager ankamen, gab es bereits Kaffee Sit-ins und gemütliches Lagerleben bis ich mich längst zum Schlafen niedergelegt hatte. Georg, der Frühaufsteher spaltet schon Kaffeeholz, als ich mich gerade an die Träume der vergangenen Nacht erinnern will.
Heute haben wir strahlenden Sonnenschein, der uns aus den Zelten auf’s Wasser lockt. Vom Sylvensteinsee bis Lenggries reisten wir, eine Gruppe mit 11 Booten gemeinsam, dann paddelten die Langmütigen noch weiter bis Bad Tölz. Wir waren 4 SolofahrerInnen und mehrere Duo’s bzw noch das Trio Andreas, Dani und Lilith, die Bootshündin. Heute ist deutlich mehr Buntheit durch die Kanus, Kajaks und Schlauchboote auf der Isar, als gestern am Vatertag, wo wir eigentlich dachten wieder die bekannten Flösse mit mehr oder weniger alkoholisierter Mannschaft zu treffen. Die Sonne stach vom Himmel und färbte manche Hautstelle in schmerzhafte Rottöne. Dies hat sie dieses Jahr schon öfters getan, viel geschienen und wenig Regen zugelassen. Wir fanden einen Isarwasserstand tief wie noch nie vor. So hieß es dann nach dem Wehr Fleck treideln und laufen über mindestens einen Kilometer, wenn nicht noch weiter. Das war eine bunte Karawane, die sich dort an dem Wassertiefstand traf und ihre Boote auf die eine oder andere Weise über das seichte Wasser brachte. Doch wir hatten auch wieder vergnügliche Paddelstrecken und Freude. Allerdings kurz nach der Umtragung der Isarburg wartete nochmals eine Herausforderung, die zwei Paddelpaaren eine Kenterung bescherte. Georg und Ralf standen gleich mit den Wurfsäcken bereit und Thomas und ich kümmerten uns um das Aufsammeln von Treibgut, leider gelang es uns nicht, das Alugestänge von Siegmund’s Ally wiederzufinden…so musste er einen schmerzlichen Verlust hinnehmen.
Kurz vor Lenggries pausten wir nochmals zusammen, bevor wir „Ziel:Bad Tölz`er“ uns verabschiedeten und uns weiter dem Wasserspiel und seinen Bewegungen hingaben. Ich übte erstmals in wilderem Wasser die hintere Position und hatte manchmal zu tun mit dem Wissen wie es geht, doch gleichzeitig die Mühe mit der Umsetzung.
Das Lagerleben am Abend gönnte den Paddlern je nach Gusto ein Zusammensitzen draußen oder an gemütlichen Petzöfen in den Zelten. Eine Weile vergnügte sich Sarah, die Enkelin von Georg noch bei uns, bevor sie mit Oma Herta im Gasthaus zu Bette ging. Die beiden paddelten nicht mit, sondern erlebten ihre eigenen Abenteuer wohl mehr an, denn auf der Isar.
Der Samstag zeigt sich schmuck mit Sonnenschein und warmen Temperaturen. Heute war ich die Fahrzeugumsetzerin nach Schäftlarn und unterwegs kamen wir an einem Erdbeerfeld zum Selberpflücken vorbei. Das Paddeln über mehrere Tage zehrt und obgleich das Frühstück noch nicht verdaut ist, beginnen sich meine Gedanken um Erdbeeren, Vanilleeis und Sahne zu ranken und anscheinend kann ich das lebhaft schildern, denn wir hatten bald eine Mords-Gaudi im Fahrzeug. Diese leckere Speise lenkte noch mehrmals am Tage meine Aufmerksamkeit auf sich, doch jetzt war ja paddeln angesagt. Tapfer lernte ich die Kunst des Hintermannes, in dem Fall der Hinterfrau, wenn sich Hindernisse in den Weg stellen und dann „Seilfähre rückwärts“ das passende Kommando ist. Doch irgendwann war mein Frust auch mal groß, dass Wissen und Umsetzung nicht in Einklang zu bringen waren. So schmiss ich wütend mein Paddel ins Wasser. Die Isar zimpert nicht und treibt es gleich flussabwärts. Thomas entsetzt: „Christine!“ Zum Glück sehe ich, dass Lothar das wichtige Gut bemerkt hatte und es mir wieder einfing. Das war schon seine zweite Aktion, mein Hab und Gut wieder einzusammeln, denn bei der Übung „Retten und Bergen“ schleuderte ich doch glatt versehentlich den gesamten Wurfsack in die Fluten, anstatt das eine Ende festzuhalten. Da gab es gleich ein großes Gelächter und Lothar „rettete“ meinen Rettungsversuch. Die Schwimmer hatten derweil viel Vergnügen, denn es war ja warm und sie genossen die kühlen Fluten des herrlich grünklaren Isarwassers. So kam Klaus zu seinem großen Isargenuss -Baden am liebsten hüllenlos.
Wer wollte konnte bei Ralf und Georg paddeltechnische Unterstützung einholen und etwas Kurs genießen. So war der Tag erfüllt mit Anregungen und erfreulichsten Erfahrungen. Wer genug hatte setzte den Schlusspunkt in Wolfratshausen, die anderen paddelten bis Schäftlarn. Leider gab es beim „Brückenfischer“( Gasthaus) keine Erdbeeren, Vanilleeis und Sahne(?) – doch mundeten uns Bier, Radler und Apfelsaftschorle.
Die Sonntagspaddler waren nur noch ein kleines Grüppchen mit 4 Booten. (Gelegentliche Gelüste auf Erdbeeren, Eis und Sahne beschäftigten meine Gedanken.)
Doch der Genuss der Bad Tölz-Einöd Strecke war unbestritten grandios. Und zum Abschluss, um dem Gelächter einen neuen Anlass zu bieten, sprang ich am Ausstieg Einöd mit voller Montur ins Wasser, den zu weit geschmissenen Wurfsack „rettend“. Thomas machte es mir gleich nach und die am Ufer sitzenden hatten ihr Spektakel – es fehlte uns an Profession, sonst hätten wir noch den Hut kreisen lassen; können wir für‘s nächste Mal noch üben!
Doch nun ruck zuck zum Einpacken – Gewitterschauer waren angesagt. Thomas und ich packten am langsamsten und unser Zelt erwischte ein kleiner Schauer. So beschlossen wir zu zweit noch eine Runde ins Gasthaus Beham zu gehen vor der Abreise, denn bei der kleinen Wolke und der Sonne war klar, das Zelt wird bald wieder trocken sein. Und jetzt bekam ich mein persönliches i-Tüpfelchen der Reise geschenkt. Es gab die langersehnten und köstlichen Erdbeeren, mit Eis und Sahne. Wie genüsslich haben wir es verzehrt und eine weitere gelungene GOC- Ausfahrt gefeiert.

von Christine Will

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  • enger Platz

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