Aufbaukurs bei Georg

Veröffentlicht: 28. November 2013

Schon länger hatten wir mit dem Gedanken gespielt, mal einen Paddelkurs zu machen; auch wenn man sich selber viel beibringen kann ist es doch besser, wenn man das eine oder andere mal von jemanden gezeigt kriegt, der etwas mehr Erfahrung hat. Von Georgs Kursen hatten wir bisher nur Gutes gehört, und da der Weg dorthin von Freiburg aus auch nicht allzu weit war, hatten wir uns schnell entschieden. Eigentlich wollten wir trotz aller Vorkenntnisse mit einem Anfängerkurs beginnen; da wir zu dem Termin aber keine Zeit hatten habe ich Georg kontaktiert, ob es möglich wäre, auch gleich mit dem Aufbaukurs einzusteigen. Ein nettes Telefongespräch zeigte dann, dass Georg sowohl was die Termine angeht, als auch im Bezug auf den Kursinhalt relativ flexibel war. Also haben wir uns angemeldet, gemeinsam einen Termin ausgemacht (an dem eigentlich anvisierten Termin konnte ein anderer Kursteilnehmer nicht), und so ging es also dann Mitte Oktober nach Vaihingen.

Der Kurs versprach sehr übersichtlich zu werden – außer uns (meiner Frau und mir) gab es mit Max nur einen weiteren Teilnehmer; dafür kann natürlich in so einer kleinen Gruppe sehr intensiv geübt werden! Als wir Samstag früh ankamen, saßen Georg und Max schon in Georgs Tipi, welches für die nächsten 2 Tage unser Aufenthalts- , Ess-, Schlaf- und Schulungsraum sein sollte. Auf dem Ofen stand schon heißes Wasser, also haben wir uns bei einer heißen Tasse Tee im Zelt erst einmal über den Kurs, Vorkenntnisse, Paddeln allgemein und was einem sonst noch so einfällt ausgetauscht (ja, das kann eine ganze Menge sein...). Dann endlich ging es zu einer ersten Übungseinheit nach draußen; das Wetter war heute noch schön sonnig, was sich am nächsten Tag leider ändern sollte. Bevor es aber los ging aufs Wasser wurde erst einmal an den Booten grundsätzliches über Bootsformen erläutert, angefangen vom Kielsprung bis hin zur Position der Sitze; und weil Georg mit der Position der Sitzbänke in meinem Boot überhaupt nicht zufrieden war, wurde kurzerhand Werkzeug ausgepackt und die Sitze höhergelegt – gewöhnungsbedürftig, aber im Nachhinein durchaus von Vorteil!

Dann wurden endlich die Boote zu Wasser gelassen, und abwechselnd wurden gemeinsam mit Georg im Boot die wichtigsten Grundschläge wiederholt und geübt, bevor wir dann recht ausgiebig verschiedene Techniken wie Ein- und Ausfahren ins bzw. aus dem Kehrwasser und Seilfähre vorwärts und rückwärts durchspielen konnten. Die anfängliche Unsicherheit – irgendwie hatten wir bisher alles eben ein bisschen anders gemacht – wich dann auch langsam einer immer größeren Sicherheit und dem Gefühl, die einzelnen Manöver klarer und gezielter zu beherrschen.
Dann war erst einmal eine kleine Stärkung angesagt; Hunger und Appetit waren nach den letzten Übungsstunden groß – aber nicht nur deshalb hat Georgs Tüten-Maultaschensuppe herrlich geschmeckt, und bald schon ging es dann wieder los aufs Wasser.

Dieses Mal fuhren wir langsam flussabwärts (natürlich wurde kein einziges Kehrwasser ausgelassen), bis zur nächsten Brücke, wo nochmal Seilfähre und Kehrwasserfahren geübt wurden. Nebenbei erläuterte Georg immer wieder, wie bestimmte Gefahrensituationen erkannt bzw. am besten gleich vermieden werden können und wie man sich dort verhalten sollte; so zum Beispiel bei überhängenden Bäumen oder vor Brückenpfeilern. Dann ging es gegen die Strömung langsam wieder zurück; es dämmerte bereits stark und wir hatten wohl für den Tag auch erst einmal genug gelernt – aber der Weg zurück hatte es natürlich noch einmal in sich, auch hier konnten wir viel von Georg lernen, wie man sich am besten von Kehrwasser zu Kehrwasser den Fluss hoch hangelt und die stärksten Gegenströmungen vermeidet.

Nachdem die Boote verräumt waren und wir uns umgezogen hatten, sind wir in die nahe gelegene Gaststätte gegangen, das leckere Abendessen und ein frisches Bier dazu hatten wir uns redlich verdient. Wer allerdings glaubt, dass damit der Lehrgang für diesen Tag zu Ende war, der kennt Georg schlecht: Nach dem Essen packte er seinen Laptop aus und zeigte uns anhand verschiedener DVDs Beispiele dessen, was wir an dem Tag gelernt hatten, und was in so einem Paddlerleben noch alles auf einen zukommen kann. Sehr interessant, Filmaufnahmen von Canadierfahrten im leichten Wildwasser nicht nur zu sehen, sondern auch genauestens erläutert zu bekommen. Danach konnte der Abend dann am gemütlich warmen Zeltofen langsam ausklingen...

Der nächste Morgen begann beschaulich: Über Nacht hatte es kräftig angefangen zu regnen, also ließen wir uns Zeit, in Ruhe aufzuwachen. Da wir (meine Frau und ich) abends entschieden hatten, dass es sich nicht lohnt, für eine Nacht extra ein Zelt aufzubauen, hatten wir in Georgs leerstehenden Tipi übernachtet; Georg schlief wie üblich in seinem Bus. Morgens war es dann ein unglaublich heimeliges Gefühl, im Zelt vom Klappern von Georgs Kaffeekanne aufzuwachen, und im dämmrigen Zwielicht den Ofen glühen zu sehen (siehe Fotos) – an diesem Wochenende stiegen Tipi und Ofen auf unserer will-haben-Liste um einige Punkte nach oben! ;-)

Nach einem langgezogenen Frühstück begann der Regen langsam schwächer zu werden, und wir begannen, die Boote und uns für den Tag bereit zu machen. Heute wollten wir ein Stück flussabwärts fahren, um an verschiedenen Stellen das am Vortag Gelernte zu üben und zu vertiefen. Im doch immer noch recht kräftigen Regen ging es los; von Kehrwasser zu Kehrwasser, an der schon bekannten Brücke vorbei, um dann an einem leichten Schwall mit großem Kehrwasser ausgiebig zu üben. Vor allem das Ausfahren aus dem Kehrwasser in die hier recht kräftige Strömung, um dann gleich wieder im selben Kehrwasser zu landen, war gar nicht so einfach zu schaffen; immer wieder schafften wir den Bogen nicht, kamen erst ein Kehrwasser zu spät an und durften dann wieder den Fluss hochpaddeln. Irgendwann hat dann aber auch das geklappt, genauso wie das Hin- und Hertraversieren in der Strömung. Doch was hier dann irgendwann fast schon wie von selbst ging, war an der nächsten Stelle weiter flussab, am Brückenschwall, schon wieder etwas schwieriger; vor allem das Boot beim Einfahren in die Strömung rechtzeitig und ausreichend zu kanten hat doch einige Anläufe gebraucht (Georg, nachdem wir schon gefühlte dutzende Male im Kreis gefahren sind: "Ja, jetzt macht ihr das halt noch ein paar Mal..." Puh, anstrengend, aber so lernt man's halt!). Immerhin ist wie am Vortag auch an diesem Tag bei den ganzen Übungen niemand gekentert, und sogar das Wasser von oben ließ dann langsam aber sicher nach. So konnten wir das letzte Stück bis zum Wehr in Oberriexingen bei herbstlichem Nebel auf dem Wasser noch richtig genießen. Dort wurden die Boote auf Georgs Bus geladen, um zurück nach Vaihingen zu fahren. Obwohl wir an diesem Tag nur eine Strecke von rund 4 km gefahren waren, waren wir doch alle recht ausgepowert – es ist halt doch etwas anderes, einen Fluss nur runterzufahren als ihn richtig auszukosten .

Zurück am Lager sollte eigentlich gleich gepackt werden, aber irgendwie (warum nur?) hatten wir alle Hunger, also haben wir noch schnell den Zeltofen angeschmissen und Spaghetti gekocht, um uns danach noch in lange Gespräche zu vertiefen. So fing es dann tatsächlich schon fast an zu dämmern, als wir endlich alles gepackt hatten und unseren Heimweg antreten konnten; immerhin hatten wir noch 2 Stunden Fahrt vor uns. Dass sich danach noch zuerst Max und dann der zu Hilfe eilende Georg mit ihren Autos im Matsch festgefahren und einige Mühe hatten die Autos wieder aus dem Schlamm zu bekommen, haben wir so leider verpasst; hätte mir auch Spaß gemacht... ;-)

Fazit: Ein Kurs, der einen beim Paddeln im Fluss deutlich weiterbringen kann – sowohl praktisch, als auch mit einer guten Portion Theorie untermauert. Vorhandene Fertigkeiten muss man sich zwar teilweise erst einmal abgewöhnen und das Erlernte natürlich trainieren, aber damit ist man dann einiges sicherer auf bewegtem Wasser unterwegs. Neben dem reinen Paddeln war es aber auch sehr unterhaltsames und gemütliches Wochenende, an dem alle sichtlich ihren Spaß hatten, sei es auf dem Wasser, beim gemeinsamen Kochen oder beim Aufwärmen am Zeltofen. Danke, Georg, und – bis zum nächsten Mal!

Beste Grüße auch an Max,

Rüdiger

  • Unser kleines Lager
  • Am legendären Zeltofen
  • Ausfahrt bei beginnender Dämmerung
  • Ausfahrt bei beginnender Dämmerung
  • Gemütlicher Abend im Zelt
  • Morgens: Der Blick aus dem Schlafsack auf den kaffeekochenden Georg
  • Regen...
  • Regen...
  • Regen und Matsch...
  • Nicht gerade bestes Paddelwetter...
  • ...aber mit den richtigen Klamotten kein Problem!
  • Auf der Scherlinie
  • Max beim Hebeln
  • Immer gut gelaunt
  • Nach dem Regen
  • Georg in seinem Element – was er wohl gerade erzählt?
  • Herbststimmung auf der Enz
  • Ein Nutria am Ufer
  • Max freut sich auf den Feierabend...
  • Ein bisschen kalt war es dann doch...
  • Anna-Marie beim Kochen
  • Am Schluss kam doch noch die Sonne raus!

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